^Nach oben
foto1 foto2 foto3 foto4 foto5

Der Orden

Altes Ordenshaus an der Oranienburger Straße in BerlinOrdenssitz

Aller guten Dinge sind drei!

Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland (GLL), gegründet am 27. Dezember 1770, nannte in ihrer Geschichte bislang drei Ordenshäuser in Berlin ihr Eigen. Gearbeitet wurde zunächst in Privathäusern, doch die wachsende Mitgliederzahl erforderte bald Versammlungsräume fernab des Straßenlärms und profanen Treibens.

1786 erwarb der Buchhändler und Aufklärer, Friedrich Nicolai, das Grundstück an der Oranienburger Straße 71/72 für 4800 Taler für die Große Landesloge. In dem Park, der bis zur Spree reichte, lag ein kleines Gebäude, das durch einen Neubau ersetzt werden sollte. 1787 wurde vermutlich der Grundstein gelegt. In den Hypothekenbüchern konnte die Loge übrigens nicht eingetragen werden, da das Misstrauen gegenüber den Freimaurern seinerzeit hoch war. So mussten Privatpersonen als Käufer und Besitzer herhalten. Nach mehreren Wechseln war es zuletzt der Kaufmann Jaques Dufour. Unter Leitung des Hofbaurates Christian Friedrich Becherer wurde von 1789 bis 1791 das Haus so ausgebaut, dass es „ausschließlich den Zwecken der Großloge dienen und später auch in deren Besitz übergehen konnte“, so Br. Groche in der "Zirkelkorrespondenz" (ZK) von 1952 (GLL-Mitteilungsblatt). Für den Bau leisteten die Brüder Sartori, Becherer und Großmeister Carl August von Beulwitz Vorschüsse, der Orden steuerte 1.500 Taler bei. Die Weihe erfolgte mit 118 Brüdern am 24.06.1791. Weitere Besitzerwechsel folgten. Zwischen 1806 und 1816 musste das Haus zudem den französischen Generalstab beherbergen - neben anderen Abgaben hatte die GLL auch die Truppen auf ihre Kosten zu verpflegen. Am 08.11.1821 wurde endlich der Orden als Besitzer in das Grundbuch eingetragen. 1839 erhielt der Bau ein weiteres Stockwerk, die Fassade wurde klassizistisch verformt. 1845 plante man notgedrungen wegen der Zahl von mittlerweile rund 1.200 Brüdern einen Erweiterungsbau. Dieser wurde 1866 errichtet und 1867 eingeweiht. Trotz Mitteln aus dem Verkauf eines Gartenteils an die Post musste die GLL noch ein Viertel der Kosten schultern. Jeder Bruder verpflichtete sich jährlich einen Taler zu zahlen. Der Rest wurde durch Anteilsscheine entsprechend den heute geplanten Bausteinen aufgebracht. Doch auch der erweiterte Bau an der Oranienburger Straße war bald zu klein. Schließlich wurde 1898 auch das Vorderhaus für 1.150.000 Mark an die Post veräußert. Mit dem Erlös konnte die zweite Erweiterung größtenteils finanziert werden. Die Fassade blieb übrigens bis heute als Denkmal erhalten. Das Ordenshaus hatten die Brüder durch beispiellosen Zusammenhalt und Opferbereitschaft über Generationen zu einer vorbildlichen Arbeitsstätte ausgebaut. Doch schon damals gab es räumliche Missstände und Mängel, die sich bis zur Unerträglichkeit ausgewachsen hatten; unzureichende Größe, Lüftung und Feuersicherung zwangen die Brüder schon seinerzeit den Bau eines neuen Ordenshauses auf neuem Land zu bedenken, da ein „organisches Ganzes“ (Groche) auf dem inzwischen geteilten Grundstück nicht mehr zu errichten war. Br. Johannes Lange, Logenmeister der JL „Zum goldenen Schiff“, legte 1895 den entscheidenden Entwurf vor. Nach dem Verkauf des gesamten Hauses an die Post, fand im März 1899 die letzte Arbeit statt. Bis zur Einweihung des neuen Gebäudes stellten die anderen preußischen Großlogen Räume zur Verfügung. Für das neue Haus im damaligen Vorort Schöneberg, in der Eisenacher Straße 11-13, wurde am 11.11.1898 der Grundstein gelegt. Die Baukosten betrugen rund eine Million Mark, wobei Nebenkosten und Inventar noch einmal 300.000 Mark erforderten. Um diesen Betrag aufzubringen, mussten trotz der Verkaufseinnahmen auch wieder Spenden der Brüder erbeten werden. Am 18.11.1900 konnte das neue Haus eingeweiht werden. An der Festarbeit nahmen 1.100 Brüder, darunter viele ausländischer Großlogen, teil. Das Ordenshaus war „sowohl seinen rituellen als auch gesellschaftlichen Zwecken entsprechend vortrefflich eingerichtet“, wie Br. Schlichting ebenfalls in der ZK von 1952 schreibt. Das Glück währte jedoch nur für kurze Zeit: Schon 35 Jahre später zerschlugen die Nationalsozialisten die deutsche Freimaurerei. Die mit dieser unseligen Aufgabe betreute Behörde nahm zynischerweise sogar unser Haus für sich in Beschlag. Als der Krieg endete, hatten Bomben und Brandstiftung das Haus schwer beschädigt. Noch 1945 begannen die Brüder im Keller und einem Flügel schrittweise den provisorischen Ausbau. Im Dezember konnten sie die Arbeiten wieder aufnehmen. Doch durch die dezimierte Zahl der Brüder konnten weder der Wiederaufbau ermöglicht, noch die Unterhaltskosten aufgebracht werden. Am 28.02.1965 wurde das Grundstück verkauft. Mit großer Wehmut gaben die Brüder das prächtige Gebäude auf. Auf mehr als 15.000 qm Nutzfläche enthielt es acht Tempel, zwei große Festsäle, zwei Versammlungssäle, drei Konferenzzimmer, sechs Dienstwohnungen, Archiv, Museumssaal, je ein Zimmer für Ordensmeister, Landesgroßmeister, Kapitelmeister, die Logenmeister, den Ordensrat und die Großbeamten, Verwaltung und Kasse sowie zahlreiche Nebenräume (Küche, Weinkeller etc.).

In der Peter-Lenné-Straße 1-3 boten zu dieser Zeit die in den USA lebenden jüdischen Erben einer einst durch die Nazis enteigneten Villa diese zum Verkauf an. Die Kosten für Erwerb und Umgestaltung konnten durch den Erlös für das Grundstück in Schöneberg weitgehend gedeckt werden. Dennoch waren wieder Ideen und Spenden der Brüder gefordert. Trotz neuer Heimstatt hatten die Ordensbrüder mit dem Haus in der Eisenacher Straße viel verloren. Das Ordenshaus beherrbergt neben Berliner Logen auch das Sekretariat und Archiv des Ordens.