Mit 18 Jahren trat ich in Dortmund in den Orden der Freimaurer ein.

Ich hatte weder einen freimaurerisch gefärbten familiären Hintergrund, noch ein besonders ausgeprägtes Wissen über den Bund von Männern, denen ich von nun an als Bruder gelten sollte. Eine Mischung aus Faszination, Neugierde und einer vagen Ahnung davon, dass ich hinter der Tür der Loge Ideen aber auch Menschen finden könnte, die für meine Entwicklung als Mensch, als auch für mein zukünftiges Leben Fixpunkt und Mentoren sein könnten.

Heute, 5 Jahre später: noch immer eher Suchender als Sehender, habe ich dennoch ganz klar erkenne können, dass diese, damals romantischen Vorstellungen und Hoffnungen von Freimaurerei sich durchaus bewahrheitet haben. Seit dieser Zeit scheint mir persönlich die Welt noch schneller, unsteter und im wahrsten Sinne haltlos geworden zu sein. Verlässliches und Bewährtes rücken immer mehr und mehr in den Hintergrund für aktuelle Trends und Veränderungen, die morgen bereits wieder überkommen oder sogar in Vergessenheit geraten sind.

Und doch spüre ich bei vielen gleichaltrigen Freunden und Bekannten, vielleicht sogar stärker als jemals zuvor, den Wunsch und das Bedürfnis nach Beständigkeit, nach einem tragenden Fundament, in einer Welt, die den Einzelnen jeden Tag zu überholen scheint. Und entgegen vieler anderer Angebote von Gemeinschaften, Vereinen- und Gesellschaftszirkeln, die salopp gesprochen, der bloßen Freizeitunterhaltung und des beliebigen Get-together dienen, glaube ich, dass der innerste Kern unseres Ordenswesens eine echte, eine substanzielle Persönlichkeitsentwicklung anbieten kann.

Auch wenn die Suche nach Strukturen auf dem Weg des Älter- und Erwachsenwerdens nichts Neues ist, so scheint es besonders in unserer Zeit und Generation und wahrscheinlich zukünftig noch viel mehr einen Bedarf zu geben, den wir in unserer Gemeinschaft beantworten können. Und doch fällt es uns momentan noch sehr schwer geeignete Maßnahmen und Projekte zu initiieren, die vor allem jüngere Suchende zu uns führen.

Liebe Brüder, wenn Sie sich nun fragen, was berechtigt oder qualifiziert Brüder unter 33 für diese Unternehmung, dann will ich euch sagen, es ist nicht die Lebenserfahrung. Aber vielleicht die für uns noch nicht lange zurückliegende Entscheidung eben auch in jungen Jahren den Weg in unsere Gemeinschaft gefunden zu haben.

All diese Gedanken können nicht realisiert werden ohne das Verständnis und die Unterstützung der gesamten Logenbrüder, die aber auch neuen Impulsen und Aspekten des Freimaurerseins offen gegenüber stehen müssen.

Text: Br. Niklas Hahn