unser seinerzeitiger Abg. Logenmeister, Br. Albrecht Jansen, Prov. Redner, ließ 1951 einen Artikel in der Zirkelkorrespondenz drucken. Ich halte den Artikel für so interessant, daß ich ihn heute vortrage. Br. Jansen war übrigens seit 1927 Mitglied unserer Loge.

Wie Ihnen allen ja bekannt ist, wurde Br. Lessing in unsere Loge als Freimaurer aufgenommen und so ist es mir als Rosenbruder einerseits, sowie als Stellvertretender Vorsitzender der Lessing-Gesellschaft andererseits ein Bedürfnis, Ihnen diesen Artikel nahe zu bringen. Ich meine, wir sollten doch möglichst viel über diesen unseren Bruder wissen. Allerdings möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich jetzt versuchen werde, einen Schriftsatz zu verlesen, der nicht speziell als mündlicher Vortrag ausgearbeitet wurde. Das Thema des Artikels lautet: „Lessing als Freimaurer.“ Zitat: „Als Lessing in Berlin als freier Schriftsteller lebte, weil leider Friedrich der Grosse ihn als Bibliothekar ablehnte, trat in Hamburg eine Gruppe wohlhabender und kunstliebender Kaufleute zusammen, die die Mittel zur Gründung eines Deutschen Nationaltheaters in Aussicht stellten. Fast alle diese Männer waren Freimaurer. Im Gründungsausschuss waren die BBr. Abel Seyler und Adolph Bubbers, der spätere Sekretär der Rosenloge, die führenden und treibenden Köpfe. Abel Seyler war kein gebürtiger Hamburger, sondern 1730 in der Nähe von Basel geboren. Als junger Kaufmann kam er nach London und trat hier einer Loge bei. Dann siedelte er nach Hamburg über und wurde schließlich Theaterdirektor.

Adolph Bubbers machte den umgekehrten Weg. Er war zuerst Schauspieler, wurde dann Kaufmann. Am 2. April 1776 wurde das Nationaltheater am Gänsemarkt feierlich eröffnet und ganz Deutschland schaute aufmerksam nach Hamburg. Bereits 1766 hatte man Lessing zu Besprechungen nach Hamburg eingeladen. Nun wollte man ihn als Theaterdirektor gewinnen. Er lehnte jedoch diesen Posten ab, da er keiner von denen war, die leicht produzieren können. Um ihn aber auf jeden Fall mit dem neuen Unternehmen in Verbindung zu bringen, verpflichtete man ihn als Dramaturgen und Kritiker, versprach ihm sogar das damals hohe Gehalt von 800 Talern.

Unter dem Titel „Hamburgische Dramaturgie“ sind seine kritischen Abhandlungen in die Literaturgeschichte eingegangen. Als Uraufführung brachte man zuerst seine „Minna von Barnhelm“ heraus; aber die Hamburger fanden an diesem klassischen Lustspiel so wenig Gefallen, dass bei der Wiederholung Luftakrobaten zwischendurch zur Aufbesserung der Stimmung ihre Künste zeigen mussten. Das neue Theater wurde bald eine herbe Enttäuschung für Lessing. Eine zweite sollte schnell folgen. Das führende Mitglied der Loge „Absalom“, Br. Joachim Christoph Bode, befreundete sich schon in den ersten Wochen mit unserem Dichter und schlug ihm vor, in seiner Druckerei und Verlagsbuchhandlung Teilhaber zu werden. Lessing, der in Berlin seine Bibliothek verkauft und somit etwas Kapital hatte, willigte auch ein; aber bei-de verstanden von geschäftlichen Dingen sehr wenig. 1769 trennte sich daher Lessing freundschaftlich von Bode und der Dichter hatte für die nächsten Jahre schwer an den übernommenen Schulden zu tragen, zu-mal man auch bald sein Gehalt stark kürzte.

Im Allgemeinen waren aber diese Hamburger Jahre jedoch mit die schönsten seines Lebens. Als gewandter und geistreicher Weltmann verkehrte er bald in den ersten Kreisen der Stadt. Bei seinem Arzt, Dr. Johann Friedrich Grund, bei dem Kaufmann Schuback und bei dem Münzmeister Knorre war der Dichter oft zu Gast. Alle drei waren Freimaurer, Knorre in unserer Loge. Im gastfreien Haus Knorre lernte er auch den Freiherrn von Rosenberg kennen, dem man eine umfassende Bildung nachrühmt. Schuback, der noch heute in Hamburg bekannt ist, schenkte seinem Freund nicht nur das hochzeitliche Kleid, sondern richtete ihm und Eva König am 8. Oktober 1776 auf seinem Landsitz in Jork im Alten Lande, auch die Hochzeit aus. Zu den genannten freimaurerischen Persönlichkeiten kamen später noch zwei hinzu: der große Schauspieler Konrad Ekhof, Mitglied der Rosenloge und Herder, der der Loge „Zum Schwerdt“ in Riga beigetreten war und kurze Zeit in Hamburg weilte. Bereits 1767 trat Lessing an seinen Freund Bode heran und bat ihn, ihn als Suchenden für die Loge „Absalom“ anzumelden.

Doch dieser hatte große Bedenken. Er befürchtete, daß Lessings „feurigem Charakter zu große Langsamkeit der Fortschritte in seinem System“ missfallen würden. Aber der Hauptgrund war der, dass „Absalom“ wegen der „Strikten Observanz“ alle Arbeiten eingestellt hatte. Über die Ablehnung war Lessing umso mehr enttäuscht, weil er auf Grund mehrerer Gespräche mit Bode bereits sein Aufnahmegesuch entworfen hatte. Wie stark sich der Dichter bereits in den Jahren mit der FM beschäftigt hatte, sehen wir auch daran, daß er zu diesem Zeitpunkt anfing, die „Freymäurergespräche Ernst und Falk“ in ersten Umrissen zu skizzieren. Allerdings begann er erst als Bibliothekar in Wolfenbüttel mit der Niederschrift von „Ernst und Falk“. In seinem neuen Wirkungskreis kam der Dichter wieder in enge Verbindung mit freimaurerischen Kreisen. Nicht nur sein Herzog Karl und dessen drei Söhne, sondern auch sehr viele vornehme Braunschweiger Herren waren Logenmitglieder, allerdings in Logen der „Strikten Observanz“, deren Großmeister Herzog Ferdinand, ein Schwager Friedrich des Großen, war.

Am letzten Augusttag 1771 fuhr der Dichter mit der Postkutsche nach HH, um hier seinen Urlaub zu verleben. Drei Dinge wollte er diesmal unbedingt zum Abschluß bringen: Eine Ausgabe seiner Trauerspiele, sich mit Eva König verloben und Freimaurer werden. Wieder sprach er darüber eingehend mit Bode, er-fuhr aber erneut eine Ablehnung. Von diesen Gesprächen hörte der Logenmeister der zwei Jahre vorher gegründeten neuen Loge „Zu den drei Rosen“. Rosenberg war sogleich entschlossen, diesen berühmten Mann für seine Loge zu gewinnen. Welche Gründe hatte wohl Lessing, immer wieder die Aufnahme in den Orden zu betreiben? Im Wesentlichen waren es wohl folgende: Er hoffte, als Bruder mehr über die Freimaurerei zu erfahren. Ferner dachte er, dass er dann gewissermaßen berechtigt sein würde, die Freimaurergespräche, die er als Handschrift mitgebracht hatte, zu veröffentlichen, auch mochte er wohl hoffen, das Freundschaftsband mit seinen vielen freimaurerischen Freunden noch enger zu knüpfen, und schließlich hatte er damals den Gedanken, selbst in Wolfenbüttel eine Loge zu gründen.

Rosenberg hat also keineswegs Lessing angelockt oder gar verleitet. Zwischen beiden waren Ekhof und Knorre die Verbindungsmänner. Kaum acht Tage nach des Dichters Eintreffen in Hamburg konnte Rosenberg seinem Großmeister von Zinnendorf in Berlin melden, er hoffe, Zitat: „mit ehestem unsern berühmten Lessing im Orden zu haben“. Am 8. Sept. 1771 schrieb Rosenberg in dieser Sache ausführlich nach Berlin: Zitat: „Eben vernehme ich, dass Herr Lessing ein Manuskript jemandem hat zu lesen gegeben, welches er will drucken lassen. Es betitelt sich: <Der wahre Orden der Freimaurer aus den ältesten Urkunden hergeleitet und mit Gründen bewiesen.> Ich stelle alles Unmögliche an, ihm habhaft zu werden Und habe ihm sogar versprechen lassen, gratis zu rezipiren…. Wäre es nicht angebracht, wenn Sie an ihn schrieben? Ich will ihm das Schreiben selbst einhändigen, denn er ist gesonnen, noch acht oder vierzehn Tage hier zu bleiben. Soviel ich habe vernehmen können, muss er durch die Wolfenbütteler Bibliothek viele Kenntnisse vom Orden bekommen haben.“ Zitat Ende.

Am 17. Sept. war Lessing noch einmal wieder von Bode abgewiesen worden. Zusammen mit Knorre fuhr er bald nach Berlin zu seinem Verleger Christian Friedrich Voß, der Freimaurer war. Knorre hatte von seinem Logenmeister den Auftrag, in der Sache Lessing persönlich mit dem Großmeister zu sprechen. Dieser beauftragte Knorre, falls Lessing sich aufnehmen lassen würde, ihn dabei offiziell zu vertreten. Unterwegs haben die beiden sicherlich eingehend über die Rosenloge und die königliche Kunst gesprochen. Anfang Oktober waren sie wieder in Hamburg und jetzt erklärte sich Lessing bereit, Mitglied der „Rosenloge“ zu werden. Das Angebot Rosenbergs, ihn kostenlos aufzunehmen, kam ihm sehr gelegen, denn er war ohne Vermögen, hatte zudem Schulden und musste Eltern und Geschwister häufig noch unterstützen. Für Rosenberg war der Verzicht auf die Gebühren auf jeden Fall ein spürbares Opfer, denn nach damaliger Sitte standen ihm als dem Gründer, der sich auch Großmeister nennen durfte, ein Drittel der anfallenden Gelder zu. In den sogenannten Regeln, den Statuten der „Rosenloge“, ist unter Punkt 19 vermerkt, dass ein Apprentif (also ein Lehrling) 3 Louisdor für die Loge und 1 Louisdor für den Sekretär, ferner 1 Speziestaler für den dienenden Bruder zu zahlen hatte; dasselbe musste ein Compagnon (also ein Geselle) entrichten; vom Maitre (also einem Meister) verlangte man sogar insgesamt 10 Louisdor. Dazu kamen noch für alle Grade die Almosengelder. Am 14 Oktober wurde Lessing als Mitglied Nr. 56 in Rosenbergs Wohnung in Gegenwart von Knorre „privatim“, oder wie man auch sagt „historisch“ aufgenommen. Rosenberg hatte damals ein Ritualbuch geschrieben, dem eine Reihe Zeichnungen von Teppichen, teilweise farbig, beigefügt sind. Anhand dieses Materials hat der LM dem neuen Bruder wohl alles erklärt.

Aus eigener Machtvollkommenheit nahm er Lessing gleich in alle drei Grade auf. Das geschah sonst höchstens bei fürstlichen Persönlichkeiten und dann auch nur in geöffneter und gesetzmäßiger Loge. Von Zinnendorf hat diese Eigenmächtigkeit eines Logenmeisters später auch in einem Brief in vornehmer Weise gerügt. Am anderen Tage händigte man Lessing, der wieder nach Wolfenbüttel zurück wollte, das üblich Logenzertifikat ein. Diese Urkunde ist noch heute im Archiv der GLL von Dänemark vorhanden. Wir haben übrigens für interessierte Brüder Kopien angefertigt. Nach Lessings Tode kam dieses Zertifikat und alle freimaurerischen Scripturen in den Besitz des Herzogs Ferdinand, der in seinem Testament diese Sachen dem Landgrafen Carl von Hessen vermachte, der damals dänischer Statthalter in Altona war. Nach ihm ist übrigens die FO-Loge hier im Haus „Carl zum Felsen“ benannt. 1836 starb dieser und jetzt kamen des Dichters Fm-papiere nach Kopenhagen. Diese Urkunde ist in französischer Sprache geschrieben, da zu jener Zeit in der Rosenloge auch nur in dieser Sprache gearbeitet wurde. Sie hat folgenden Wortlaut: „Wir, die sehr Hochwürdigen Meister und die Würdigen Brüder der Freimaurergesellschaft in Hamburg geben bekannt, dass wir den würdigen Bruder Gotthold Ephraim Lessing zum Lehrling, Gesellen und Meister, Freien und Akzeptierten Freimaurerarbeiter der Loge der 3 Rosen anerkennen. Auf Grund dessen empfehlen wir unseren genannten Würdigen Bruder unseren gesamten, vereinigten oder über die ganze Welt verstreuten Brüdern. Gegeben in Hamburg am 15. des Monats Oktober des Jahres 1771. G.J. Baron von Rosenberg, Großmeister, J.H. Detenhoff, Dr., 2. Aufseher, F.H.A. von Sudthausen, 1. Auf-, Adolph Bubbers, Sekretär.“

Fünf Tage später schrieb von Zinnendorf dem neuen Bruder folgenden Brief nach Hamburg. Zitat: „Der Bruder Freiherr von Rosenberg hat mir das Vergnügen gemacht, mir unterm 15. dieses (Monats) zu berichten, dass er Sie zum Bruder Freimaurer auf- und angenommen hat. Ich wünsche Ihnen und uns zu diesem vollführten Schritte das beste Glück. Sie haben durch denselben eine Bahn betreten, die, und ich getraue mir zu behaupten, die einzigste in ihrer Art und diejenige ist, welche forschbegieriger Geist zum all-gemeinen Wohl der Menschen auszuspähen und zu ergründen je gewünscht habe und mag…. Jetzt will ich von demjenigen insbesondere mit wenigem sagen, was ich Ihretwegen wünsche und der Orden der Freimaurer von Ihnen in den Gegenden Ihrer jetzigen Bestimmung mit Zuversicht erwartet. Suchen Sie diesem nach, bitte ich, alldort zuvörderst derjenige zu werden, der Sokrates ehedem den Athenern war; allein dem widrigen Schicksal zu entgehen, welches leider seine Tage verkürzte, müssen Sie den Zirkel nicht überschreiten, den Ihnen die Freimaurerei jedesmal vorzeichnet und jederzeit gedenk bleiben, daß wir nur hinter verschlossenen Türen, auch allein gegen Brüder, welche mit uns gleiche Erkenntnisse haben, von der Freimaurerei reden und die uns darin aufgegebenen Arbeiten nie anders verrichten dürfen….Ich erwarte hierüber nach der mir ebenfalls den Br. Frh. von Rosenberg getanen Anzeige, Dero mir angenehme nähere Erklärung zuversichtlich, gleichwie die Schrift, welche Sie vor dem Eintritt in den Orden durch den öffentlichen Druck ganz zu Unrecht bekannt zu machen den Gedanken gehabt haben sollen…“. Soweit der Brief des Großmeisters.

Dieser Brief ist in mehrfacher Sicht außerordentlich wichtig. Die Erwähnung von Sokrates, der den Giftbecher trinken musste, hat Mathilde Ludendorff in ihrer 1937 erschienenen Schrift „Lessings Kampf und Lebensschicksal“ veranlasst, die ungeheuerliche Behauptung aufzustellen, die Freimaurer hätten Lessing durch Gift zur Seite gebracht, weil er in „Ernst und Falk“ Geheimnisse verraten habe. Mit dem erwähnten Brief des Großmeisters erhielt auch von Rosenberg ein Schreiben aus Berlin, in dem zum Schluß die Bitte ausgesprochen wurde, dass Zinnendorf bald die „Freimaurergespräche Ernst und Falk“ erhalte. Von Zinnendorf hat dann später, gleich Bode, dringend von einer Drucklegung abgeraten. Es ist natürlich sehr oft die Frage aufgeworfen, weshalb Lessing niemals die „Rosenloge“ oder eine andere betreten hat.

Was Bode später darüber geschrieben hat, ist mit größter Vorsicht aufzunehmen denn es war der „Strikten Observanz“ nicht angenehm, dass Lessing nun in eine Loge schwedischer Lehrart eingetreten war. Lessing soll mit seinem Bruder Karl über die Aufnahme gesprochen haben, aber auch dessen Mitteilungen kommen nicht aus erster Hand. Der Dichter selber hat nichts darüber geschrieben, es sei denn, man wolle aus Bemerkungen in „Ernst und Falk“ Schlüsse ziehen. Die Aufnahmezeremonie und was ihm dabei geoffenbart wurde, ist sicherlich nicht Grund zur späteren Enttäuschung gewesen. Das beweist eindeutig der Brief, den Rosenberg gleich nach der Aufnahme nach Berlin schrieb. Hier wird auch betont, dass die historische Aufnahme auf Lessings eigenen Wunsch stattgefunden habe. Weiterhin ist bemerkenswert, daß der Dichter darum gebeten hat, seinen Beitritt in Hamburg und Braunschweig vor-erst geheim zu halten.

Ausdrücklich betont Rosenberg dann noch, daß Lessing die Absicht habe, in Wolfenbüttel eine eigene Loge zu gründen. Am 19. Oktober 1771 schrieb der Großmeister von Zinnendorf, dass Rosenberg den neuen Bruder darüber unterrichten solle, welche ordensgesetzlichen Bestimmungen dann zu berücksichtigen wären. Auf keinen Fall ist also Lessing gleich nach der Aufnahme enttäuscht gewesen, zumal er bei dieser Gelegenheit den Wunsch äußerte, auch die Andreasgrade zu erhalten. Im Allgemeinen neigt man zu der Ansicht, dass es der bereits erwähnte Brief Zinnendorfs gewesen ist, der Lessing bestimmte, der Loge fernzubleiben. Es kann auch die Rücksicht auf seinen Landesherrn gewesen sein, denn Braunschweig war damals die Hochburg der Strikten Observanz und Herzog Karl dessen Protektor.

Eine Logengründung in Wolfenbüttel hätte ihn unter Umständen das Amt gekostet. Seine Verbindung mit freimaurerischen Kreisen hat Lessing nicht nur fortgesetzt, sondern sogar noch erweitert. Das zeigt ganz deutlich die Tatsache, dass er bei seinem Besuch in Wien mit Ignaz von Born, dem Logenmeister der Loge „Eintracht“, freundschaftlich zusammenkam. Bode und Knorre kamen nach Wolfenbüttel zu Besuch. Knorre war noch 1780 dort und lieh dem Dichter für seine geplante Reise nach Hamburg sogar 200 Taler. Auch mit dem Verleger Campe, einem Freimaurer und den Rosenbrüdern Joh. Heinr. Voß und Matth. Claudius, trat Lessing in enge persönliche Beziehungen. Offiziell gedeckt hat Lessing die Loge niemals und der Freimaurerei als Idee ist er auch nie untreu geworden. Das beweist sein Brief, den er am 19.Oktober1778 an Herzog Ferdinand schrieb dem er „Ernst und Falk“ gewidmet hatte. Er nennt diesen Fürsten den „ersten und würdigsten Freimaurer“.

Besonders für unsere Untersuchungen ist folgender Satz: „Alles, was man mir vertraut hat, liegt noch tief in mir verborgen. Ich habe nichts getan, was mit freiwillig von mir übernommenen Verpflichtungen auf irgendeine Art streite. Ich habe keine geheimen Kenntnisse entheiligt.“ Der Dichter hat auch niemals behauptet, daß er kein Freimaurer mehr sei. Das darf man aus einem Brief des Herzogs Ferdinand an ihn vom 21. Oktober 1778 schließen. Hier heißt es: „Sie wissen, daß ich Sie selbst für einen Freimaurer Meister, Sie mögen regelmäßig oder nicht regelmäßig aufgenommen sein, halte.“ In der Widmung von „Ernst und Falk“ an den erwähnten Herzog heißt es: „Durchlauchtigster Herzog, auch ich war an der Quelle der Wahrheit und schöpfte. Wie tief ich geschöpft habe, kann nur der beurteilen, von dem ich die Erlaubnis erwarte, noch tiefer zu schöpfen.“

Aus diesen Worten nun aber zu schließen, dass Lessing die Absicht gehabt habe, der Strikten Observanz beizutreten, ist völlig abwegig. So sehr wir bedauern, daß Lessing ein verlorener Sohn der Rosenloge und der GLL wurde, freuen wollen wir uns aber doch darüber, daß er einmal unser war, denn durch ihn ist die „Rosenloge“ in die Literaturgeschichte eingegangen. In einem kann Lessing uns allen ein Vorbild sein: Er war sein ganzes Leben ein eifrig Suchender nach Licht und Wahrheit. Das beweisen seine Worte: „Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit, in seiner Linken aber den Trieb nach Wahrheit, wenn auch immer mit dem Zusatz mich immer und ewig zu irren, hielte, und spräche zu mir: Wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke. <Herr, gib, die reine Wahrheit ist nur für Dich!>“

Damit endet der Zirkelkorrespondenz-Artikel von Br. Albrecht Jansen.

Br. Gernot Riebenstein, Alt VM JL „Zu den drei Rosen“