Die Werke von Karl Gartz II. – 100 und mehr Jahre alt – aktueller denn je!

Ich muss gestehen: Ich habe auf dieses Buch nicht gewartet, denn von Karl Gartz war mir bislang lediglich ein bemerkenswerter Aufsatz über die Arbeitstafel in IV (damalige Zählung) in Erinnerung: Wie haben sich die Symbole genau dorthin entwickelt und warum? Welche neuen Symbole entsprechen den bereits bekannten? Einen solch lebhaften und präzisen Vergleich hatte ich bis dato noch nicht gelesen.

 

Außerdem erinnere ich mich, wie bemerkenswert ich fand, dass es diesem Autor gelang, einerseits Detailwissen zu vermitteln, sich darin aber nicht zu verlieren, sondern stets den „roten Faden“, die Meta-Ebene unseres Ordens dabei im Blick zu behalten und diese sozusagen herausmeißeln zu wollen. Und jetzt halte ich einen 400seitigen Wälzer in den Händen: „Quintessenz – Gesammelte Werke von Br. Karl Gartz II.“. Karl Gartz war von 1865 bis 1916 Mitglied unseres Ordens, er war ein bemerkenswerter Schriftsteller, Schriftleiter der Zirkelkorrespondenz, und vielleicht würde man ihn heute als einen der bedeutenden Symboliker bezeichnen.

 

Neben vielen wichtigen Ämtern innerhalb unseres Ordens bekleidete er auch das des Landesgroßmeisters zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nein, ich hatte nicht auf dieses neue Buch gewartet, weil mir nicht klar war, wie viel Material da zu sichten, zu ordnen und zu sammeln war und dass es noch so viel mehr von diesem bemerkenswerten Ordensschriftsteller gab als die mir bekannte Schrift über den Vergleich der Arbeitstafeln. Die Brüder Frank Mielke und Marco Grohmann aus Köln haben in akribischer Kleinarbeit seine Vorträge gesammelt, behutsam redigiert und erstmals in einem Band zusammengefasst. Mitglieder der Forschungsvereinigung Frederik haben dieses Buch in den letzten Tagen automatisch erhalten. Auf der Homepage der Frederik ist das Buch auch überdies erhältlich. Schon das Inhaltsverzeichnis verspricht „Ordenslektüre pur“.

 

Ich habe erst knappe 100 Seiten gelesen und freue mich, so intensiv wie selten in den letzten Jahren, unsere Lehre inhalieren zu können. Die klare 100 Jahre alte Sprache ist präzise und macht allein von Form und Klarheit schon Lust aufs Lesen. Bemerkenswert: Wie aktuell und relevant heute diese Texte noch sind. Es zeigt uns einmal mehr, dass unser Orden den Anspruch auf eine überzeitliche Allgemeingültigkeit erhebt. Keins dieser vor langer Zeit geschriebenen Worte wirkt auf mich verstaubt oder überholt oder bedürfte einer Anpassung. Was mir viele Jahre gefehlt hat und worüber ich mich besonders freue: Gartz beschäftigt sich intensiv mit den Fragebüchern. Unsere Fragebücher sind in den letzten Jahrzehnten in der allgemeinen Wahrnehmung etwas abgerutscht. Zu einer Art Beiwerk oder Schmuck. Vielen Brüdern sind sie unbekannt, anderen erscheinen sie (zu) rätselhaft, im schlimmsten Fall findet man sie irrelevant. Aber das Gegenteil ist der Fall: Unsere Fragebücher sind älter als unsere Rituale (u.a. weil auch viel weniger häufig verändert und angepasst) und die Basis derer, also ein Verständnis unserer Inhalte, kann nicht erfolgen ohne intensive Beschäftigung mit ihnen.

 

Dazu müssen wir allerdings in unserer heutigen Zeit wieder lernen, was die Beschäftigung mit Frage und Antwort genau bedeutet. Unsere Fragebücher präsentieren keine mathematischen Fragen, die durch Logik und Nachdenken erschlossen werden könnten.

 

Ist dies aber erst einmal der Fall, dann sind sie unschätzbar wertvoll. Gartz widmet einen guten Teil seiner Schriften den Fragebüchern, tut dies aber nicht ausschließlich. Da war es also in meinen Augen überfällig, aus so berufener Feder eine Ausdeutung und Erläuterung unserer Fragebücher zu lesen und ihnen damit für mich wieder einen neuen Stellenwert und eine ganz neue Relevanz zu geben. Ich habe nicht drauf gewartet, aber nur, weil ich gar nicht wusste, dass da noch 400 Seiten Gartz an den verschiedensten Stellen warten wiederentdeckt und veröffentlicht zu werden.Mit großer Neugier und Freude am Lesen und Dank an die Herausgeberfreue ich mich auf den Rest des Buches und kann es nur empfehlen.

 

Link zum Shop:

https://forschungsvereinigung-frederik.de/frederik-shop/quintessenz/

 

Von Br. Michael Münstedt, JL „Freimut und Wahrheit zu Cöln“, Köln