Hochwürdiger Meister,

würdige und geliebte Brüder,

 

Die Werkzeuge des Freimaurers sind…

 

natürlich rein symbolisch. Symbolische Werkzeuge sind vielfältiger als materielle, weil sie sich angepasst an die Situation neu interpretieren lassen.

Sie behalten im Fortgang der Grade nicht nur die eine anfängliche Bedeutung,

sondern können diese verändern oder neue dazu bekommen und ihre Bedeutung sogar ausdehnen.

 

Nehmen wir den Hammer. Er ist ein kraftvolles Werkzeug. Doch wie der Volksmund sagt: Wer als einziges Werkzeug einen Hammer besitzt, wird jedes Problem als Nagel begreifen.

 

Und so wird kein Bruder einen Hammer in die Hand nehmen, auf etwas in seiner Wohnung oder seinem Büro herumschlagen und dann behaupten, er arbeite freimaurerisch.

 

Der Hammer ist in der Ordens-Freimaurerei ein Gavel, ein Sitzungshammer.

Während die Brüder der Lehrart AfuAM einen Spitzhammer verwenden,

um die Ecken und alles Überflüssige von ihrem rauen Stein abzuschlagen,

hat der Hammer in der GLL eine ordnende Funktion.

 

Bruder Widmann sagt in seiner Concordanz von 1867: „Der Hammer (…) ist ein Symbol der befehlenden Macht, sowohl des Schöpfers und Regierers der Welt, als eines Herrn, Fürsten oder Meisters unter den Menschen, und als solches uralt. Er stellt das Kreuz (die aktive und passive Kraft) vor, durch dessen Kraft alle Ordnung in der Welt erhalten wird.“

 

Der Logenmeister ruft damit die Brüder zur Ordnung und auch die beiden Aufseher benutzen dieses ordnende Werkzeug. Doch der Hammerschlag des Logenmeisters ist machtvoller, denn er symbolisiert den Ordnungsruf des Dreifach Großen Baumeisters, das göttliche Gesetz. Diesem Gesetz müssen sich auch die ordnenden Kräfte von Verstand (1. Aufseher) und Gefühl (2. Aufseher) unterwerfen. Denn ohne Ausrichtung auf das göttliche Prinzip wären sie orientierungslos.

 

Wenn dieses Prinzip schon für die beiden Aufseher als hammerführende Beamte gilt, wie viel mehr muss es dann für die anderen Beamten und die Brüder im Tempel gelten?

 

Um herauszufinden, was das für den Alltag eines jeden von uns bedeutet,

möchte ich kurz auf meine Erörterung zu den Beamtenpositionen zurückkommen. Dabei habe ich ausgeführt, dass jeder Beamte über die rituelle Funktion hinaus noch mindestens eine weitere Funktion hat.

 

Dabei gehe ich davon aus, dass der Tempel im Logenhaus, ein materielles Abbild jenes Tempels ist, den jeder Bruder in seinem Innern bildet, also ein Abbild des Ortes ist, in dem der Göttliche Funke wohnt. Damit hat alles im Logentempel einen direkten Bezug zum Innenleben des Bruders.

 

Der Logenmeister symbolisiert den göttlichen Anteil,

der erste Aufseher den Verstand,

der zweite Aufseher das Gefühl,

der Zeremonienmeister Disziplin,

der Sekretär Gedächtnis und Erinnerungen,

der Schatzmeister Kondition und Gesundheit,

der Redner Selbstdarstellung und Kommunikation

und der Wachthabende hält die Konzentration aufrecht.

 

Wenn wir jeden Bruder als Abbild des materiellen Tempels im Logenhaus nehmen, kommen wir schnell dazu, dass alles was wir im Tempel tun,

eine Folge für das Leben des Bruders hat.

 

Wenn also alle Beamten ihre Arbeit an der Arbeit und dem Ordnungsruf des Logenmeister als Symbol des Dreifach Großen Baumeisters ausrichten,

kann das nur heißen, dass sich auch der Bruder bei seiner inneren Arbeit immer wieder auf den Dreifach Großen Baumeister ausrichten muss.

 

Doch wie macht man das?

Was heißt das im Alltag?

Konkreter:

Was für bedeutet das in Zeiten von Corona und der dadurch bedingten Vereinzelung?

 

PAUSE

 

Dazu stelle ich zunächst eine Prämisse auf: .

Wenn das göttliche Gesetz, das vom Logenmeister symbolisiert wird,

sich in einem Begriff zusammenfassen ließe, würde dieser Begriff „bedingungslose Liebe“ heißen.

 

Es ist das liebevollste, allumfassend und schöpferischste Prinzip,

großzügiger und selbstloser als alles, was wir uns vorstellen können,

angstfrei, wild und von einer Strahlkraft, der nichts gleichkommt.

Es ist jenes Licht, von dem es in der heiligen Schrift,

unserem größten Licht, heißt:

 

„Und Gott sprach, es werde Licht und es ward Licht.“

 

Und von nun an wird das Leben eines Freimaurers leicht:

Denn immer, wenn wir uns fragen:

 

Was sollen wir tun?

Was ist wichtig in diesen Zeiten?

Handeln wir richtig?

Werden wir ungerecht behandelt?

 

müssen wir nur eines tun:

 

Wir müssen prüfen, ob die Antwort, die uns gegeben wird und die wir uns selbst geben, diesem höchsten Prinzip dient. Machen wir einen Versuch in Form eines inneren Dialogs.

 

Nehmen wir an, ich bekomme Zweifel an der Maskenpflicht wegen Corona.

Dann könnte dieser Dialog so aussehen:

 

Frage:Welchem liebevollsten Prinzip soll die Maske dienen?

Antwort:Dem Schutz der Menschen, die sich anstecken könnten.

Gegenrede: Die Masken sollen aber kaum helfen.

Antwort:Auch wenn sie nur ein wenig helfen, tragen Sie zum Gesamtergebnis bei.

Gegenrede:Ich fühle mich aber eingeschränkt und leide darunter.

Antwort:Ich auch, aber vielleicht verhindere ich durch diese lästige Maske schlimmere Leiden bei anderen, die schwer an Corona erkranken oder deren Angehörige daran sterben. Ist es das nicht wert?

Gegenrede:Vielleicht aber auch nicht.

Antwort:Ist es nicht besser kein Risiko einzugehen, statt leichtsinnig zu sein und Menschenleben zu gefährden?

Gegenrede:Aber es sind doch nur die Alten und die mit Vorerkrankung gefährdet.

Antwort:Selbst, wenn das stimmen würde, was macht ihr Leben weniger wert als Deines? Auch sie haben ein Recht lange zu leben, und werden von Menschen geliebt, die leiden würden, wenn ihre Angehörigen sterben würden.

 

Dieser innere Dialog soll nur ein Beispiel sein.

 

Er könnte so oder so ähnlich zu jedem beliebigen Streitthema geführt werden

und sollte nur zeigen, dass die Antwort stets die liebevollste sein sollte, diejenige, die das Prinzip der Nächstenliebe, also den Kern unserer Ordensgesetze, erfüllt.

 

Erinnern wir uns an Bruder Widmann:

Der Hammer stellt auch das Kreuz dar, also das Leidenssymbol unseres Obermeisters.

Indem wir dem Hammerschlag des Logenmeisters,

also dem Ruf des Dreifach Großen Baumeisters folgen,

bleiben wir in seiner Liebe und erfüllen die Ordensgesetze,

die Richtschnur unseres Lebens als Freimaurerritter sind.

 

Es geschehe also.

 

Vortrag von Stefan Szych während der Erörterung der Johannisloge Zur unverbrüchlichen Einigkeit am 17. Juni 2020, via Zoom-Konferenz