Liebe Brüder,

der Anfang des Jahres war für mich durch zahlreiche Neujahrsempfänge in verschiedenen Institutionen geprägt. Das ist jedes Jahr die gleiche Routine. Doch in diesem Jahr fiel mir auf, dass der Toleranzgedanke stark in den Ansprachen/Reden in den Fokus gerückt wurde. Ob Politiker, Buchautor oder Wirtschaftsjournalist – alle hatten den Wunsch und das Begehren diesen (stetig) aktuellen und auch brisanten Begriff zu beleuchten.

„Toleranz tut weh“, hatte ich bereits in einem Editorial im letzten Jahr 2018 aufgegriffen. Keine neue Erkenntnis daher, aber immer wieder ein wichtiger Aspekt, ihn uns vor Augen zu halten. Besonders weil der Alltag einen schnell vergessen lässt. Da ist es wichtig manchmal auch laut Nachzudenken. So wie der Buchautor Michael Schmidt-Salomon, der auf dem Neujahrsempfang der GL “Royal York“ in Berlin in einer bemerkenswerten und mitreißenden Art die Grenzen der Toleranz aufzeigte. Viele bekannte und unbekannte Sichtweisen wurden an diesem Tag dem Zuhörer vor Augen geführt.

Quintessenz war und ist es, die offene Gesellschaft zu verteidigen. Das macht die aktuelle Debattenkultur in Funk und Fernsehen deutlich. Doch was ist eine offene Gesellschaft?! Sicherlich ist dazu die o.g. tolerante Haltung eines jeden von uns notwendig und auch eine Art Grundbedingung – doch alleine reicht diese Tatsache nicht aus. Es gibt viele Situationen in unserer Gesellschaft, die keine Toleranz verdient haben. Denken wir nur an die Feinde einer offenen Gesellschaft, die durch Radikalität in politischen, religiösen oder auch gesellschaftlichen Verhaltensweisen „auffallen“. Vom Grundsatz her ist das erlaubt, solange dies im Rahmen des Rechtsstaates passiert. Tolerieren müssen wir dieses Verhalten nicht! Der Empörialismus, wie ihn Schmidt-Salomon nennt, ist dabei das Problem unserer heutigen Zeit. Besonders radikale Kräfte nutzen ihn zur Stimmungsmache. Dabei gilt oft: „Demagogen feiern mit halben Wahrheiten ganze Erfolge! Die Verletzung der grundlegenden Standards rationalen Denkens – aber auch des über sich selbst nachzudenken – und die Aushöhlung des Wahrheitsbegriffes gefährden unsere Gesellschaft. Auch hier gelingt es Schmidt-Salomon mit dem Zitat „auf hohlen Köpfen lässt sich gut Trommeln“ – in unnachahmlicher Art die Sache auf den Punkt zu bringen. Nach- und Mitdenken über das was um einen herum passiert, ist erlaubt, nein- ich meine: eine bürgerliche Pflicht!

Doch wie gelingt eine offene Gesellschaft?! Michael Schmidt -Salomon hat dazu vier Eckpfeiler parat. Diese lauten Freiheit und Gleichheit, Selbstbestimmung statt Gruppenzwang, Säkularismus und Bildung für alle. Das eingebettet in eine funktionierende Streitkultur kann dazu beitragen die offene Gesellschaft mit all ihren Vorzügen u.a. von Freiheit, Demokratie und Wohlstand zu erhalten.

Für uns Freimaurer bedeutet das: wachsam, aufmerksam und auch aktiv zu sein. Gerade wir profitieren von Freiheit und schreiben uns viele Werte einer offenen Gesellschaft auf die Fahnen. Ganz zu schweigen von den Urvätern, die dafür gekämpft haben. Wir sind also gefordert in unserem Wirkungskreis das deutlich zu machen. Klassisches Schwarz-weiß denken sollte uns fremd sein. Und was wir nicht tolerieren können – auch das ist jedermann sein gutes Recht – das aber im Rahmen des Rechtstaates möglich ist, dem kann immer noch durch zivilgesellschaftliches Engagement / Ehrenamt von jedem von uns entgegengewirkt werden. Das ist für mich eine Verpflichtung, um meinen Anteil zur offenen Gesellschaft zu leisten. Ξ

Euer Bruder

Torsten Küster

Manfred Rischbieter, Cuxhaven

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Mit diesem Artikel möchte ich die freimaurerische Humanität in Erinnerung rufen und, daraus resultierend, die Einrichtung der Zinnendorf -Stiftung ein wenig beleuchten, die seit einiger Zeit so ein wenig aus dem Zenit mancher unserer Logen verschwunden ist.

Die Freimaurerei ist, wie es allgemein anerkannte Lexika ausweisen, eine international verbreitete Bewegung von humanitärer, der Toleranz verschriebener Geisteshaltung. Der Begriff Humanität, so beschreibt es das ‚Internationale Freimaurer-Lexikon’, leitet sich ab vom lateinischen humanitasund bedeutet vorzugsweise die harmonische Ausbildung der Anlagen des Gemütes und des Verstandes.

Im freimaurerischen Sinne bedeutet demgemäss Humanität die Lehre vom Menschen und seiner Würde, die Menschlichkeit im Sinne von Wertung des Menschen undder in ihm liegenden Eigenschaften fordert.

Daraus ergeben sich als praktische Folgerungen der freimaurerischen Humanitätslehre:

 

  1. die Achtung vor dem Menschen
  2. die Anerkennung seiner Menschenrechte
  3. die Verpflichtung zur Menschenliebe

 

Dem hingegen dürfte es wohl  unbestritten sein, dass die Inhalte der Gegenwartsgesellschaft weitgehend ausgefüllt sind durch nahezu gnadenloses Materialismusstreben. Das wiederum drückt sich aus durch toleranzarmes Ellenbogendenken und darauf ausgerichtetes Handeln.

Und die internationalen, aktuell vielfach radikal-religiös geprägten oder auch hasserfüllten, nationalistischen Feindseligkeiten, die Ausdruck in menschenverachtendem, terroristischen, kriegerischen, gleichsam wahn-witzigen Aktionismus finden – bis hin zu Auswirkungen in bestialischen Dimensionen – sie dokumentieren wohl am deutlichsten das Gegenteil dieser Humanität, das Gegenteil dieser Achtung vor dem Menschen und der Verpflichtung zur Menschenliebe.

Friedrich Schiller – obwohl Nicht-Freimaurer – zweifelsfrei aber fest in der Gedanken- und Symbolwelt der Freimaurerei stehend,  hat einmal seinen Humanitätsgedanken folgendermaßen formuliert:

„Der Humanitätnachzustreben, ist die echte menschliche Philosophie. Es ist der wunderbare Ewigkeitswert dieser Philosophie, dass sie an nichts gebunden ist als an den Menschen – an den Menschen, der in ihren Gedanken denkt und lebt.Immer handelt es sich bei ihr um die vom Menschlichen ausgehende Verwirklichung der Idee des Guten in der Welt.“

 Und genau dieses ist das Ziel der Freimaurerei und der freimaurerischen Humanitätslehre – es ist in besonderem Maße das Streben nach Menschlichkeit – Förderung und Erhalt des Friedens zwischen den Menschen, ihren sozialen Verbänden wie ihren Völkern – Verurteilung des Dogmas der Gewalt

Pessimisten werden in dieser Lehre bestenfalls einen gleichsam blauäugigen Traum erblicken, der zudem dazu angetan zu sein scheint, den Menschen in Illusionen zu verstricken. Gewiss, wer im Menschen nichts anderes erkennt als ein der Tierwelt kaum entwachsenes Wesen, der wird für solche scheinbare Träumerei nichts übrig haben. Denn es entspringt der landläufige Pessimismus oftmals lediglich einer bequemen Seelenhaltung. Sie hat zudem den Vorteil, den ‚Bequemling’ der mühsamen Arbeit zu entheben, das Positive zu suchen. Ich möchte dabei keineswegs einem leichtgeschürzten Optimismus das Wort reden – einem Optimismus, der alles und jedes dem ‚ach so gütigen himmlischen Vater‘ überlässt, es seinerseits zum Besten zu wenden.

Nein, wir Menschen müssen schon selbst mitwirken – wir müssen uns schon gestaltend einbringen, deutlich und sichtbar Aktivitäten entwickeln – auch und gerade wir Freimaurer!

Wir Freimaurer müssen uns gestaltend einbringen

Wir nehmen für uns in Anspruch, mit unserer Lehre uns selbst zur Humanität zu erziehen. Da kann und darf es nicht unsere Prämisse sein,  uns mehr oder weniger selbstzufrieden und gesättigt, gar selbstgefällig im Sessel zurücklehnen – auch und schon gar nicht nach geistiger und leiblicher Stärkung in Tempelarbeit und Tafelloge. Denn dann drohte, dass in unseren Zusammenkünften die wegweisende geistige Arbeit sich kontinuierlich reduzierte und mehr und mehr zu einem weitgehend reinen geselliges Beisammensein verkäme.

Nein – ohne jede Einschränkung sei bekräftigt, dass unsere rituellen Arbeiten – geistvoll zelebriert – von immenser Bedeutung, geradezu unverzichtbar sind und einen hohen Stellenwert genießen müssen, um mit der Arbeit an uns selbst im Sinne unseres Schutzpatrons Johannes des Täufers eine innere Umkehr – „Ändert euren Sinn“ – zu erreichen.

Aber auch das kann und darf nicht alles sein – denn es kann doch wohl nicht damit getan sein, dass wir unsere maurerischen Werkzeuge bei unseren Zusammenkünften verzückt betrachten, sie gleichsam putzen, um sie dann nach beendeter Tempelarbeit sorgsam ‚bis zum nächsten Male‘ in der prächtigen Schatulle unserer diskreten brüderlichen Verschwiegenheit zu verwahren.

Die Natur oder, wenn man so will, der Weltenlenker hat dem Menschen – hat uns – gewisse Grundkräfte zur Verfügung gestellt, auf denen der Bau des Menschheitstempels als Ausdruck dieser Humanität – dieses Strebens nach Menschlichkeit – ruhen soll. Es sind dies Weisheit, Schönheit und Stärke.

Niemand, der mit offenen Sinnen und denkend durchs Leben schreitet, wird verkennen, welch unendliche Weisheit, welch immense Schönheit und welche jede Vorstellung übersteigende Kraft dem Weltganzen zugrunde liegen.

Weisheit kann der Mensch der Welt kaum beifügen, wohl auch nur begrenzt Schönheit, geschweige denn Kraft. Aber, Liebe – Liebe kann er in die Erdenwelt tragen.

Nicht, dass Liebe ohne ihn nicht wäre – sie ist eine Gotteskraft. Doch dem Menschen bleibt es überlassen und anheimgestellt, diese Liebe aus Freiheit heraus hier auf der Erde zu verwirklichen.

Das größte Liebesgenie, das je auf Erden wandelte – Jesus Christus, unser Obermeister – hat der Menschheit dieses Tun vorgelebt, ohne Rücksicht auf sein eigenes Wohlergehen – sich selbst, sogar sein höchstes Gut – sein Leben – märtyrerhaft opfernd.

Immer wieder, auch in unserer Zeit, finden sich vorbildhafte Beispiele in der freimaurerischen Kette, die diese humanitäre Liebe in die Welt tragen – im Kleinen wie im Großen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten – Br. Karl-Heinz Böhm sei nur stellvertretend für viele genannt.

Aber, wir alle müssen uns vergegenwärtigen, dass diese freimaurerische Humanität eine geforderte Tatsache ist, die wir – ein jeder für sich selbst – zuerst einmal verinnerlichen müssen.

Sie muss für jeden Br. ein Selbstverständnis sein– gerade auch im Sinne einer persönlichen Leistungs- und Opferbereitschaft.

Humanität muss ein Selbstverständnis sein

Mit anderen Worten – philosophisch – ausgedrückt:

Durch Überwindung des Selbst zur Liebe zum Nächsten zu gelangen,  um zur eigenen Zufriedenheit mit dem Schicksal zu kommen.

Die Liebe zum Nächsten – die Menschenliebe ist daher wohl der bedeutendste Ausdruck der freimaurerischen Humanitätslehre. Sie umzusetzen, sollte folglich auch unsere vornehmste Aufgabe und für jeden Br. wirklich selbstverständlich sein.

Von uns wird erwartet, dass sich unsere maurerisch-christlichen Wertmaßstäbe in der Gesellschaft umfassender manifestieren, dass w i r  sie unübersehbar vorleben und dadurch in dieser Zeit der „Ich“-Bezogenheit beispielhafte Maßstäbe setzen.

Nicht selten wird daher in Gesprächen mit Außenstehenden nicht nur Auskunft darüber gefordert, was wir innerhalb, sondern auch, was wir ‚außerhalb unserer Mauern‘ tun.

Dahinter lauert durchaus der Verdacht, dass wir uns zwar gern in der Sonne unserer edlen Gedankenwelt aufhalten, es aber dann auch womöglich dabei bewenden lassen.

Und, meine BBr. – seien wir wenigstens ehrlich gegen uns selbst – ist das nicht auch der Eindruck, den wir zu-weilen selbst gewinnen – in unseren eigenen Reihen, in unserer eigenen Loge, in uns selbst – ganz persönlich?

Aber, wir brauchen die Antwort nicht schuldig zu bleiben, ob wir auch praktische Taten vorweisen können.

Ohne uns mit den diversen Service-Clubs messen zu wollen, deren karitatives Wirken oftmals weitgehend aus Spendenaufkommen der Öffentlichkeit resultiert, finden wir immer wieder Personen und Institutionen, die wir mit unseren ureigenen ‚Gaben der Liebe‘ unterstützen.  Und wir sollten uns auch nicht mit den Service-Clubs in einen vergleichenden, wettbewerbsähnlichen, gleichsam prahlerischen Leistungsdruck begeben – unser Motto lautet bekanntlich:

„Tue Gutes und sprich nicht darüber!“

Dieses Motto findet übrigens seine Quelle in der Bibel – in der Bergpredigt – wo es u.a. heißt:

„Wenn du einem Menschen wohltun willst, so sollst du das nicht vor dir ausposaunen lassen, wie die Heuchler … es tun, damit sie von den Leuten gelobt werden. Wenn du aber Menschen wohltun willst, dann lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit deine  Wohltätigkeit im stillen geschieht!“

Und gleichfalls finden wir in der Bergpredigt den deutlichen Hinweis auf die Barmherzigkeit – dort heißt es: „Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“

Und auf die freimaurerische Tugend der ‚Wohltätigkeit‘ , dieeines jeden Freimaurers Pflicht sein sollte, werden wir alle schon in unserer Aufnahme durch den Logenmeister deutlich hingewiesen.

Manche der Freimaurerlogen haben in zurückliegender Zeit, wie aktuell, immer mal wieder helfend gewirkt – vor Ort wie auch überregional. Und einzelne Brüder wirken ganz persönlich im Sinne eines freimaurerischen Selbstverständnisses – im Sinne der freimaurerischen Ideologie.

Jedoch völlig unabhängig von diesem individuellen Wirken hat sich die GLLdFvD, deren Mitglied ein jeder von uns seit seiner Aufnahme ist, in ihrer Gesamtheit einer Aufgabe gestellt, die unser aller Unterstützung dringend benötigt.

Mit der Formulierung unser aller Unterstützung meine ich alle unsere Logen einerseits,  alle unsere BBr. andererseits und aus allen Teilen unseres Vaterlandes.

Mit der Gründung unserer seit 1991 aktiven Zinnendorf-Stiftung hat unser Orden eine Einrichtung ins Leben gerufen, die schwerstbehinderten, schwerstpflegebedürftigen jungen Menschen eine freie, individuelle, menschenwürdige Lebensgestaltung ermöglichen soll.

Namensgeber dieser Einrichtung, die mit ihrem Angebot des ‚Wohnens-in-der-Pflege‘ sozial-politisch als bundesweites Vorbild gilt, ist der Gründer unserer Grossloge Br. Johann Wilhelm von Zinnendorf, der im 18. Jahrhundert als Generalfeldstabsmedikus im Siebenjährigen Krieg sein hohes Ideal menschlicher Solidarität verdeutlichte.

Dem erschütternden Elend der Kriegsopfer sah er nicht tatenlos zu, ließ das Berliner Kriegsinvalidenhaus bauen und wurde zum Leitbild nacheifernswerter, freimaurerisch-humanitärer, christlicher Verantwortung.

Diese in der Zinnendorf Stiftung ermöglichte menschenwürdigen Lebensgestaltung ist Ausdruck der freimaurerischen Humanitätslehre – der Lehre vom Menschen und seiner Würde, dem Streben nach Menschlichkeit, der Verpflichtung zur Menschenliebe.

Die Zinnendorf Stiftung ermöglicht menschenwürdige Lebensgestaltung

D i e s e Philosophie ist es gewesen, die damals unsere Bruderschaft zur Gründung dieser Zinnendorf Stiftung veranlasst hat.

In der erklärten Bereitschaft, mit diesem ‚Mehr‘ aus einer ‚Versorgung‘ eine ‚Umsorgung‘ zu machen, manifestiert sich unser Bekenntnis zur Solidarität mit Menschen, die durch tragische Schicksalsumstände an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden und – vielfach auch gegenwärtig- noch immer werden.

Da darf auch die These nicht gelten, dass sich dieses Pflegeheim doch betriebswirtschaftlich im Rahmen der Pflegekostensätze selbst tragen müsse. Die gerade  so  begründete Minimierung des Leistungsangebots verhindert letztlich, diesen schwerstbehinderten jungen Menschen d a s  Maß an persönlicher Zuwendung zuteil werden zu lassen, das ihnen die zitierte menschenwürdige Lebensgestaltung ermöglicht.

Wenn wir nicht mehr bereit wären, mit aller Kraft diese Einrichtung und dieses aus einem ‚Versorgen‘ ein ‚Umsorgen‘ machende ‚Mehr‘  sichern zu helfen, dann wäre unser Anspruch an uns selbst gescheitert. Mit diesem Anspruch würden wir uns allerdings von einer gewissen gegenwartsgesellschaftlichen Tendenz abheben, die da medienwirksam lautet: „Geiz ist geil!“

Fühlen wir uns wirklich dieser Tendenz verhaftet? Sollten – nein wollen wir uns nicht tatsächlich leiten lassen von der Prämisse, die schon die Bibel als Leitlinie des menschlichen Zusammenlebens ausweist „Geben ist seliger denn nehmen!“

Ein freiwilliges Geben, und das nicht nur in brisanten, spektakulären, medienwirksamen Notfällen, kann vor Gleichgültigkeit, Vergessen, sozialer Kälte bewahren und in besonderem Maße zum Ausdruck von Solidarität und unserer freimaurerischen, humanitären Menschenliebe werden.

Es sind Brüder unseres Ordens, die sich im Vorstand dieser Zinnendorf-Stiftung in ganz besonderem Maße engagieren.

Gestatten Sie mir, einen dieser BBr. zu zitieren: „Ich unterstütze die Zinnendorf Stiftung, weil sie verkörpert, was dieser Gesellschaft fehlt: Solidarität mit denen, die schwach sind und Hilfe brauchen. Und weil wir uns viel zu oft um fernes Leid kümmern, aber für die Not im eigenen Land blind sind.“

Und es sind gleichfalls Ordensbrüder, die im Vorstand des Fördervereins der Zinnendorf Stiftung in arbeitsreichem und verantwortungsvollem Engagement diese von freimaurerischer, humanitärer Menschenliebe abhängige Einrichtung zu stützen und zu garantieren versuchen. Sie und diese Einrichtung verdienen und – vor allem – sie benötigen unsere Unterstützung.

Aber, gerade daran mangelt es zuweilen und reduziert nur zu oft auch deren notwendiges Budget. Ich befürchte, so manche unsere Logen haben  aus unterschiedlichen Gründen in einigen zurückliegenden Jahren der Zinnendorf- Stiftung zuweilen diese Unterstützung versagt.

Es bedarf folglich einerseits der regelmäßigen Unterstützung durch unsere Logen, aber – und gerade daran möchte ich mit Nachdruck animieren – es bedarf auch der Mitgliedschaft vieler, möglichst aller Ordensbrüder  im Förderverein der Zinnendorf Stiftung. Beides zusammen würde das Budget und zugleich diese sichern und garantieren helfen sowie unsere aus Menschenliebe begründete Opferbereitschaft dokumentieren.

Wären  alle  Ordensbrüder zugleich Fördervereinsmitglied, so wäre der Bestand der Zinnendorf-Stiftung auf Dauer gesichert.

Lassen sie mich schließen mit der dem A.F.u.A.M.-Ritual entnommenen Forderung „Kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken!“ sowie dem gleichsam appellierenden Wort:  „Es gibt nichts Gutes – es sei denn, man tut es!“

Möge in diesem Sinne dieser Appell zugleich eine Initialzündung sein.

… es sei mir gestattet, einen Zwischenruf einzuwerfen:

Es gibt die weit verbreitete – und eigentlich richtige –  Meinung in der Bruderschaft, dass ein jeder Freimaurer die KK nach eigenem Gutheißen für sich auslegen darf, ja sogar soll.

Das möchte ich kurz in 3 Sätzen kommentieren, ich will „dazwischen rufen“!

  1. Satz: „Niemand kann etwas so komplexes, wie die KK „eben mal so“ für sich verstehen und auslegen, ohne ein jahrelanges gewissenhaftes Studium der Rituale, der Fragebücher und der Quelltexte dieser beider Werke!“
  2. Satz: „Wer dieses Studium der KK nicht absolviert – aus welchen Gründen auch immer – nicht genügend Zeit, keine Aus- und Weiterbildung durch seine Brüder LM, Paten, Einführende oder Redner, derjenige Bruder wird sich nur ein Zerrbild der Freimaurerei denken oder vorstellen können, welches es ihm nicht möglich macht, sich mit „ausgebildeten“ Brüdern adäquat auszutauschen und seinen Weg zur Erkenntnis erfolgreich weiter zu beschreiten.“
  3. Satz: „Damit alle Brüder das Studium der KK erfolgreich ausüben können, rufe ich dazwischen: „Brüder LM, seid Lehrer, seid Professoren, leitet eure, euch anvertrauten, wissbegierigen Brüder an, bildet sie aus, zeigt ihnen, wo sie anfangen müssen, gebt ihnen die Rituale und die Fragebücher zum Lesen, legt ihnen die Bibel ans Herz, sagt ihnen, dass nur diese Werke die Grundlage der Lehre der KK sind, alles andere Gesagte und Geschriebene ist diskutierbar und schönes Beiwerk, mehr nicht!“

Nun hoffe ich, dass dieser Ruf Gehör gefunden hat! Jeder Bruder wird sich seine eigene Freimaurerei definieren können, wenn er das Grundstudium erfolgreich beendet hat. Dann werden Gespräche unter Brüdern das hervorbringen, was ich – und das ist meine Meinung – als einen Teil des freimaurerischen Geheimnisses bezeichne!

Danke meine Brüder, danke für eure Aufmerksamkeit!

Jürgen Wenzel

Blue night

JL “Eintracht an der Elbe”, Hamburg, Moorweidenstraße 36

Der erste Gästeabend in dieser Form war aus unserer Sicht ein toller Erfolg! Wir durften fünf Gäste im Alter zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Dreißig begrüßen. Drei unserer Brüder hielten jeweils einen 30-minütigen Vortrag mit dem Thema “3 Freimaurer in 90 Minuten – warum Sie es wurden, sind und immer bleiben”. Anschliessend entstand eine lebhafte Diskussion, aus der ersichtlich wurde das gerade junge Männer auf der Suche sind und wir durchaus einige Antworten auf die drei Grundfragen “woher komme, wer bin bin und wo gehe ich hin” haben. Die nächste “Blue Night Hamburg” wird am 28.Januar 2019 stattfinden.

Br. Jürgen Höncke

In der Krise der Moderne etwas schaffen, was wir nicht kennen

Die Form des Paradieses – das ist es, was wir Menschen gerade in diesen als so unruhig empfundenen Zeiten suchen. Mit Paradies ist meist ein abgeschlossener Garten gemeint, der Garten Eden. „Das Paradies auf Erden gibt es nur in unserer Seele“ meinte Jean-Paul Sartre. Das glaube ich auch, trotzdem sollten wir die Hoffnung nicht aufgeben und uns auf die Suche für unser profanes Leben machen. Damit wir das Paradies nicht nur fühlen, sondern auch real als Ziel anvisieren. Utopische Ideen sind gefordert! Gerade in dieser Zeit wo wir doch gern mit der Demokratie ins Fitness-Center gehen würden. Denn nur Utopien retten ein sinkendes Schiff – aber wir betrachten uns beileibe nicht als sinkendes Schiff, wohl aber doch in unruhigem Fahrwasser stampfend. Ob Utopien oder Visionen hilfreich sein können? Den Beweis hat Kanzlerin Merkel vor Jahren gegeben als sie den Deutschen versprach: „Ihr Bargeld, Ihre Renten sind sicher“. Das war eine Utopie, eine unmögliche Vision – aber sie wirkte erfolgreich. So wird aus Utopie Realpolitik. Eine neue Utopie? Dazu brauchen wir verschiedene Zeiten: 1774 und 2018. Wir brauchen Licht, das ist der Große Baumeister und unser Verstand. Und wir müssen uns wandeln. Dazu brauchen wir die Fantasie, mit dem Ziel der Utopie.

Willkommen im Jahresthema in der Johannisloge „Zum rothen Adler“. Mit einem Bruder kann ich gemeinsam denken! Und genau dazu möchte ich Sie liebe Brüder jetzt einladen: Lassen Sie uns vier Schritte gemeinsam denken – nur mit Brüdern geht das: gemeinsam denken. Erster Schritt auf dem Weg zur Utopie: die Methode Es geht um ein Land, das nur in der Fantasie existiert. Das Wort kommt aus dem Altpersischen. Damit ist ein abgeschlossener Garten gemeint, der Garten Eden. Der große Baumeister aller Welten hat dort alles für uns Menschen aufbereitet – später verlassen die Menschen den Garten, also Gottes Nähe und sie lernen die Folgen der Sünde kennen. Heute suchen wir das Paradies – und meinen damit unsere Lebensbedingungen.

Eine gerechte Gesellschaft. niemand leidet Not. Geld gibt es nicht. Städte dürfen nur eine bestimmte Größe erreichen. Über- und Unterbevölkerung wird durch Migration ausgeglichen. Privateigentum gibt es nicht. Ist das real? Wohl kaum. Tomas Morus veröffentlichte 1516 diesen philosophischen Dialog über die ideale Gesellschaft. Dabei blickt er nie zurück, er zieht nie die Vergangenheit zu rate – er bewegt sich voll in der Zukunft. Der Blick geht klar nach vorn. Das ist die Methode Utopie. Zweiter Schritt auf dem Weg zur Utopie: die Form Nur im Paradies wird aus Lehm ein Mann. Und aus einer Rippe eine Frau. Und in der realen Welt vielleicht aus Lego-Steinen ein Bagger. Aus dem denkbar Einfachsten etwas schaffen für die Zukunft. Das kann nur Gott. Oder ein Kind. Einreißen, aufbauen, Schöpfungsgeschichte nach Lego-Art. Es ist das Wesen eines kreativen Prozesses. Einfach aus nichts etwas schaffen – das ist Lego. Wenn mein Enkel nachmittags circa gefühlte 5000 Legosteine auf den Boden kippt, dann steht ein großer kreativer Prozess bevor. Kein Blick zurück auf den gestern gebauten Turm. Die Inhalte ergeben sich, sie wandeln sich von Zeit zu Zeit. Lego ist die Form. Form an Form. Daraus ergeben sich Tag für Tag neue Inhalte.

Kein Blick zurück. Form an Form – daraus wird ein Schöpfungsakt. Er steckt in uns Menschen. Es kommt aus uns selbst heraus. Lego gibt die Form – wir machen daraus etwas Ordentliches! Wie auf unserer Arbeitstafel die beweglichen Kleinodien: sie bestimmen die Form, den Plan der Entwicklung für die Ewigkeit: Winkelmaß, Wasserwaage und Senkblei. Wir haben nun die Methode und die Form auf der Suche nach der Utopie gefunden. Und nun im dritten Schritt lassen wir auf dem Weg zur Utopie die Vergangenheit ganz hinter uns. Der Soziologe Zygmunt Baumann sagte: „Wer sich führen lässt, braucht keine Angst zu haben, sich zu verlaufen“. Das Vertraute tröstet, beruhigt – der Blick zurück ist vertraut, er beruhigt. Also Retro. Das Problem: So wird der Mensch wieder fehlbar. Eine neue Aufklärung, ein neuer Humanismus, eine Demokratie, die im Fitness-Center war, ist nicht in Sicht. Nein, das Gegenteil läuft ja: Utopien ja – aber rückwärts gedacht.

Retro. Das betrifft unsere Gesellschaft. Das betrifft uns als Einzelmenschen. Das betrifft vielleicht ja auch die Freimaurerei. Bestimmt die Vergangenheit unsere Zukunft? Bestimmt die Vergangenheit unsere Zukunft? „Make America great again“ – also nicht vorwärts soll es gehen, nein es geht zurück zu alter Größe. Brexit. Katalonien. Die Menschen haben keine Hoffnung mehr auf die Zukunft, stattdessen muss die gute alte Zeit herhalten. Die Zukunft scheint nicht beherrschbar. Zukunft hat heute einen schlechten Leumund. Um die Zukunft ist es schlecht bestellt – nicht in der Realität – aber in der Meinung darüber. 60% der Jüngeren glauben, dass ihre persönliche Zukunft schlechter ist als es die ihrer Eltern ist. Der schlechteste Wert seit langem. Schon Oscar Wilde wusste: „Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien“. Wenn wir Fortschritt wollen, dann hat die gute alte Zeit das nostalgische Denken verloren. Wachstum immer wieder ist nur rückwärts gedacht. Fortschritt braucht Utopien. Wir dürfen nicht versuchen den Problemen von heute mit den Lösungen von gestern beizukommen. Die Frage stellt sich: War die Aufklärung eine Utopie? Die Frühaufklärung blickte ab 1700 schon nach vorn, mit hoher Kreativität, schöpferisch. Und unsere Gründer, was waren die zukunftsorientiert, schöpferisch, mutig, ja utopisch. Das wirklich neue bei Ihnen waren die Form und die Inhalte. Auch die Freimaurerei entstammt dieser Epoche. Freiheit und Vernunft, Glauben und Gewissen wurden erhöht und als Zukunftspotenzial eingebunden. Es wurde neues gedacht, neues gewagt, neu gehandelt. Ohne Blick zurück. Verwandlung und Transformation. Das Christentum erneuerte sich, wurde moderner. Auf unserer Arbeitstafel begleiten uns die drei Zierrate – sie zeigen uns den Weg: musivischer Fußboden, der flammende Stern und das Vereinigungsband. Wir gehen ihn von Westen nach Osten und dabei leuchtet unser maurisches Licht immer mehr. Das steht für mich auch für den Weg der Aufklärung bis heute. Fortschritt braucht Utopien Vielleicht kennen einige von uns Ghandis utopischen Fingerzeig in die Zukunft.

1948 machte Mahatma Ghandi, hinduistischer Mönch, sich auf, der Welt die Leviten zu lesen. Er schuf, fast nebenbei – den wunderbar formulierten Kanon der Todsünden der Menschheit. Er bezog sich auf die Vergangenheit – und forderte die Menschheit heraus, kreativ und schöpferisch diese Todsünden in der Zukunft zu vermeiden. Mit neuen utopischen Ideen. Das sind seine Todsünden: Politik ohne Prinzipien, Wissenschaft ohne Menschlichkeit, Geschäft ohne Moral, Religion ohne Opfer, Genuss ohne Gewissen, Reichtum ohne Arbeit, Wissen ohne Charakter. Auf unserer Arbeitstafel zeigt das Andreaskreuz im Reißbrett auf die Entwicklung hin. Das Reißbrett liegt im Zentrum, im Schnittpunkt der Schräg-Achsen der Arbeitstafel, des grossen rechteckigen Raumes. Entwicklung auf Freimaurer-Art. Ghandis Todsünden wurden leider kaum beachtet. Nun sind wir auch am Ende unserer gedanklichen Reise: im vierten Schritt fragen wir uns, und was ist mit der Freimaurerei? Wie kann sie helfen, uns zu Utopien anzuleiten, für die Gesellschaft, für uns Menschen und für die Freimaurerei? Im Zuge der Aufklärung entstand die Freimaurerei. Mit Inhalten, die sich ständig weiterentwickelten. In einer Form, die Jahrhunderte überstehen konnte und noch in Hunderten von Jahren Gültigkeit haben wird. Der Verstand, das Gewissen, Der große Baumeister aller Welten, der Zeremonienmeister, der Tempel, die Brüder – alles fügt sich zusammen zu einer Form.

Form an Form – das ergibt die Inhalte. Die Sonne auf der Arbeitstafel, das Senkblei, das brüderliche Band, der Norden als Himmelsrichtung – alles ist Teil der Form. Arbeit am Rauen Stein heißt: Formen nutzen und nun kreativ sein! Inhalte schaffen. Sein Selbst entdecken! Neuland betreten. Das neue bisher nicht gedachte wirklich denken – das ist unsere Aufgabe liebe Brüder. Utopisch denken – was könnte das sein?

Wir schreiben das Jahr 2050. Das Haus der Zinnendorf Stiftung ist in den letzten 20 Jahren um 200 Plätze erweitert worden, 20.000 Hamburger sind Mitglied im Förderverein der Stiftung. Eine neue Freimaurer-Stiftung wurde 2030 gegründet. Ziel: allen Kindern und Jugendlichen ohne gehobene Bildung wird Ethik und Philosophie-Unterricht vermittelt, organisiert von den Hamburger Freimaurern.

Parallel hat die neue Zinnendorf-Uni Hamburg ihre Arbeit im Jahre 2040 aufgenommen. In einer großen Pressekonferenz 2050 wurde bekannt, dass nun in Hamburg der 50.000 Freimaurer-Bruder aufgenommen wurde. Und dass damit die große Idee der Freimaurerei nach Brüderlichkeit, Humanität und Toleranz in jeder Grundschule als Fach gelehrt wird. Das ist freimaurerische Utopie – das Unmögliche denken. In Hamburg wurde der 50.000 Freimaurer-Bruder aufgenommen Wir sind zurück im Jahre 2018. 1774 waren Form und Inhalt neu. Davon zehren wir noch heute. In der Gesellschaft, wir als Individuen und die Freimaurerei. Heute nutzen wir noch die Formen, nur was ist mit den Inhalten? Wir dürfen die Inhalte der Freimaurerei nicht Retro denken, wir müssen heute utopisch das neue denken, das was bisher noch nie gedacht wurde.

Das Paradies von 1774 existierte 1774, unser Paradies können wir nur mit utopischen Ideen von heute schaffen. Die Utopie ist häufig eine neue, unbelastete, fast reine Wirklichkeit. Sie ist der Schlüssel zu wirklich neuem. Und die Freimaurerei muss ihre Form wahren, aber im Inhalt utopisch werden.Wir sind vier Schritte gemeinsam gegangen: Methode, Form, kein Retro, also kein Blick zurück und Inhalte neu zu denken, so wie es bisher noch nie gedacht war – so wie Ghandi seinerzeit. Nun fehlt nur noch das Licht. Das größte Symbol: unser Glaube. An unsere Weisheit, an unsere Stärke, dann ist auch die Schönheit einer neuen Utopie nicht weit. Jetzt heißt es, in der Krise der Moderne die Gestalt des Neuen, des Morgen zu entdecken. In uns selbst. Ferdinand von Schirach meint: „Wir wissen immer mehr um die Kälte und die Größe des Weltalls. Wir bekommen einen immer klareren Begriff von der Belanglosigkeit unseres Lebens. Wir finden keine Erlösung in der Moderne.

Das können wir kaum ertragen.“ Liebe Brüder, vielleicht doch – mit Denken, was noch nicht gedacht wurde, mit einer Utopie 2018?

Wolfgang Henkel

unser seinerzeitiger Abg. Logenmeister, Br. Albrecht Jansen, Prov. Redner, ließ 1951 einen Artikel in der Zirkelkorrespondenz drucken. Ich halte den Artikel für so interessant, daß ich ihn heute vortrage. Br. Jansen war übrigens seit 1927 Mitglied unserer Loge.

Wie Ihnen allen ja bekannt ist, wurde Br. Lessing in unsere Loge als Freimaurer aufgenommen und so ist es mir als Rosenbruder einerseits, sowie als Stellvertretender Vorsitzender der Lessing-Gesellschaft andererseits ein Bedürfnis, Ihnen diesen Artikel nahe zu bringen. Ich meine, wir sollten doch möglichst viel über diesen unseren Bruder wissen. Allerdings möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich jetzt versuchen werde, einen Schriftsatz zu verlesen, der nicht speziell als mündlicher Vortrag ausgearbeitet wurde. Das Thema des Artikels lautet: „Lessing als Freimaurer.“ Zitat: „Als Lessing in Berlin als freier Schriftsteller lebte, weil leider Friedrich der Grosse ihn als Bibliothekar ablehnte, trat in Hamburg eine Gruppe wohlhabender und kunstliebender Kaufleute zusammen, die die Mittel zur Gründung eines Deutschen Nationaltheaters in Aussicht stellten. Fast alle diese Männer waren Freimaurer. Im Gründungsausschuss waren die BBr. Abel Seyler und Adolph Bubbers, der spätere Sekretär der Rosenloge, die führenden und treibenden Köpfe. Abel Seyler war kein gebürtiger Hamburger, sondern 1730 in der Nähe von Basel geboren. Als junger Kaufmann kam er nach London und trat hier einer Loge bei. Dann siedelte er nach Hamburg über und wurde schließlich Theaterdirektor.

Adolph Bubbers machte den umgekehrten Weg. Er war zuerst Schauspieler, wurde dann Kaufmann. Am 2. April 1776 wurde das Nationaltheater am Gänsemarkt feierlich eröffnet und ganz Deutschland schaute aufmerksam nach Hamburg. Bereits 1766 hatte man Lessing zu Besprechungen nach Hamburg eingeladen. Nun wollte man ihn als Theaterdirektor gewinnen. Er lehnte jedoch diesen Posten ab, da er keiner von denen war, die leicht produzieren können. Um ihn aber auf jeden Fall mit dem neuen Unternehmen in Verbindung zu bringen, verpflichtete man ihn als Dramaturgen und Kritiker, versprach ihm sogar das damals hohe Gehalt von 800 Talern.

Unter dem Titel „Hamburgische Dramaturgie“ sind seine kritischen Abhandlungen in die Literaturgeschichte eingegangen. Als Uraufführung brachte man zuerst seine „Minna von Barnhelm“ heraus; aber die Hamburger fanden an diesem klassischen Lustspiel so wenig Gefallen, dass bei der Wiederholung Luftakrobaten zwischendurch zur Aufbesserung der Stimmung ihre Künste zeigen mussten. Das neue Theater wurde bald eine herbe Enttäuschung für Lessing. Eine zweite sollte schnell folgen. Das führende Mitglied der Loge „Absalom“, Br. Joachim Christoph Bode, befreundete sich schon in den ersten Wochen mit unserem Dichter und schlug ihm vor, in seiner Druckerei und Verlagsbuchhandlung Teilhaber zu werden. Lessing, der in Berlin seine Bibliothek verkauft und somit etwas Kapital hatte, willigte auch ein; aber bei-de verstanden von geschäftlichen Dingen sehr wenig. 1769 trennte sich daher Lessing freundschaftlich von Bode und der Dichter hatte für die nächsten Jahre schwer an den übernommenen Schulden zu tragen, zu-mal man auch bald sein Gehalt stark kürzte.

Im Allgemeinen waren aber diese Hamburger Jahre jedoch mit die schönsten seines Lebens. Als gewandter und geistreicher Weltmann verkehrte er bald in den ersten Kreisen der Stadt. Bei seinem Arzt, Dr. Johann Friedrich Grund, bei dem Kaufmann Schuback und bei dem Münzmeister Knorre war der Dichter oft zu Gast. Alle drei waren Freimaurer, Knorre in unserer Loge. Im gastfreien Haus Knorre lernte er auch den Freiherrn von Rosenberg kennen, dem man eine umfassende Bildung nachrühmt. Schuback, der noch heute in Hamburg bekannt ist, schenkte seinem Freund nicht nur das hochzeitliche Kleid, sondern richtete ihm und Eva König am 8. Oktober 1776 auf seinem Landsitz in Jork im Alten Lande, auch die Hochzeit aus. Zu den genannten freimaurerischen Persönlichkeiten kamen später noch zwei hinzu: der große Schauspieler Konrad Ekhof, Mitglied der Rosenloge und Herder, der der Loge „Zum Schwerdt“ in Riga beigetreten war und kurze Zeit in Hamburg weilte. Bereits 1767 trat Lessing an seinen Freund Bode heran und bat ihn, ihn als Suchenden für die Loge „Absalom“ anzumelden.

Doch dieser hatte große Bedenken. Er befürchtete, daß Lessings „feurigem Charakter zu große Langsamkeit der Fortschritte in seinem System“ missfallen würden. Aber der Hauptgrund war der, dass „Absalom“ wegen der „Strikten Observanz“ alle Arbeiten eingestellt hatte. Über die Ablehnung war Lessing umso mehr enttäuscht, weil er auf Grund mehrerer Gespräche mit Bode bereits sein Aufnahmegesuch entworfen hatte. Wie stark sich der Dichter bereits in den Jahren mit der FM beschäftigt hatte, sehen wir auch daran, daß er zu diesem Zeitpunkt anfing, die „Freymäurergespräche Ernst und Falk“ in ersten Umrissen zu skizzieren. Allerdings begann er erst als Bibliothekar in Wolfenbüttel mit der Niederschrift von „Ernst und Falk“. In seinem neuen Wirkungskreis kam der Dichter wieder in enge Verbindung mit freimaurerischen Kreisen. Nicht nur sein Herzog Karl und dessen drei Söhne, sondern auch sehr viele vornehme Braunschweiger Herren waren Logenmitglieder, allerdings in Logen der „Strikten Observanz“, deren Großmeister Herzog Ferdinand, ein Schwager Friedrich des Großen, war.

Am letzten Augusttag 1771 fuhr der Dichter mit der Postkutsche nach HH, um hier seinen Urlaub zu verleben. Drei Dinge wollte er diesmal unbedingt zum Abschluß bringen: Eine Ausgabe seiner Trauerspiele, sich mit Eva König verloben und Freimaurer werden. Wieder sprach er darüber eingehend mit Bode, er-fuhr aber erneut eine Ablehnung. Von diesen Gesprächen hörte der Logenmeister der zwei Jahre vorher gegründeten neuen Loge „Zu den drei Rosen“. Rosenberg war sogleich entschlossen, diesen berühmten Mann für seine Loge zu gewinnen. Welche Gründe hatte wohl Lessing, immer wieder die Aufnahme in den Orden zu betreiben? Im Wesentlichen waren es wohl folgende: Er hoffte, als Bruder mehr über die Freimaurerei zu erfahren. Ferner dachte er, dass er dann gewissermaßen berechtigt sein würde, die Freimaurergespräche, die er als Handschrift mitgebracht hatte, zu veröffentlichen, auch mochte er wohl hoffen, das Freundschaftsband mit seinen vielen freimaurerischen Freunden noch enger zu knüpfen, und schließlich hatte er damals den Gedanken, selbst in Wolfenbüttel eine Loge zu gründen.

Rosenberg hat also keineswegs Lessing angelockt oder gar verleitet. Zwischen beiden waren Ekhof und Knorre die Verbindungsmänner. Kaum acht Tage nach des Dichters Eintreffen in Hamburg konnte Rosenberg seinem Großmeister von Zinnendorf in Berlin melden, er hoffe, Zitat: „mit ehestem unsern berühmten Lessing im Orden zu haben“. Am 8. Sept. 1771 schrieb Rosenberg in dieser Sache ausführlich nach Berlin: Zitat: „Eben vernehme ich, dass Herr Lessing ein Manuskript jemandem hat zu lesen gegeben, welches er will drucken lassen. Es betitelt sich: <Der wahre Orden der Freimaurer aus den ältesten Urkunden hergeleitet und mit Gründen bewiesen.> Ich stelle alles Unmögliche an, ihm habhaft zu werden Und habe ihm sogar versprechen lassen, gratis zu rezipiren…. Wäre es nicht angebracht, wenn Sie an ihn schrieben? Ich will ihm das Schreiben selbst einhändigen, denn er ist gesonnen, noch acht oder vierzehn Tage hier zu bleiben. Soviel ich habe vernehmen können, muss er durch die Wolfenbütteler Bibliothek viele Kenntnisse vom Orden bekommen haben.“ Zitat Ende.

Am 17. Sept. war Lessing noch einmal wieder von Bode abgewiesen worden. Zusammen mit Knorre fuhr er bald nach Berlin zu seinem Verleger Christian Friedrich Voß, der Freimaurer war. Knorre hatte von seinem Logenmeister den Auftrag, in der Sache Lessing persönlich mit dem Großmeister zu sprechen. Dieser beauftragte Knorre, falls Lessing sich aufnehmen lassen würde, ihn dabei offiziell zu vertreten. Unterwegs haben die beiden sicherlich eingehend über die Rosenloge und die königliche Kunst gesprochen. Anfang Oktober waren sie wieder in Hamburg und jetzt erklärte sich Lessing bereit, Mitglied der „Rosenloge“ zu werden. Das Angebot Rosenbergs, ihn kostenlos aufzunehmen, kam ihm sehr gelegen, denn er war ohne Vermögen, hatte zudem Schulden und musste Eltern und Geschwister häufig noch unterstützen. Für Rosenberg war der Verzicht auf die Gebühren auf jeden Fall ein spürbares Opfer, denn nach damaliger Sitte standen ihm als dem Gründer, der sich auch Großmeister nennen durfte, ein Drittel der anfallenden Gelder zu. In den sogenannten Regeln, den Statuten der „Rosenloge“, ist unter Punkt 19 vermerkt, dass ein Apprentif (also ein Lehrling) 3 Louisdor für die Loge und 1 Louisdor für den Sekretär, ferner 1 Speziestaler für den dienenden Bruder zu zahlen hatte; dasselbe musste ein Compagnon (also ein Geselle) entrichten; vom Maitre (also einem Meister) verlangte man sogar insgesamt 10 Louisdor. Dazu kamen noch für alle Grade die Almosengelder. Am 14 Oktober wurde Lessing als Mitglied Nr. 56 in Rosenbergs Wohnung in Gegenwart von Knorre „privatim“, oder wie man auch sagt „historisch“ aufgenommen. Rosenberg hatte damals ein Ritualbuch geschrieben, dem eine Reihe Zeichnungen von Teppichen, teilweise farbig, beigefügt sind. Anhand dieses Materials hat der LM dem neuen Bruder wohl alles erklärt.

Aus eigener Machtvollkommenheit nahm er Lessing gleich in alle drei Grade auf. Das geschah sonst höchstens bei fürstlichen Persönlichkeiten und dann auch nur in geöffneter und gesetzmäßiger Loge. Von Zinnendorf hat diese Eigenmächtigkeit eines Logenmeisters später auch in einem Brief in vornehmer Weise gerügt. Am anderen Tage händigte man Lessing, der wieder nach Wolfenbüttel zurück wollte, das üblich Logenzertifikat ein. Diese Urkunde ist noch heute im Archiv der GLL von Dänemark vorhanden. Wir haben übrigens für interessierte Brüder Kopien angefertigt. Nach Lessings Tode kam dieses Zertifikat und alle freimaurerischen Scripturen in den Besitz des Herzogs Ferdinand, der in seinem Testament diese Sachen dem Landgrafen Carl von Hessen vermachte, der damals dänischer Statthalter in Altona war. Nach ihm ist übrigens die FO-Loge hier im Haus „Carl zum Felsen“ benannt. 1836 starb dieser und jetzt kamen des Dichters Fm-papiere nach Kopenhagen. Diese Urkunde ist in französischer Sprache geschrieben, da zu jener Zeit in der Rosenloge auch nur in dieser Sprache gearbeitet wurde. Sie hat folgenden Wortlaut: „Wir, die sehr Hochwürdigen Meister und die Würdigen Brüder der Freimaurergesellschaft in Hamburg geben bekannt, dass wir den würdigen Bruder Gotthold Ephraim Lessing zum Lehrling, Gesellen und Meister, Freien und Akzeptierten Freimaurerarbeiter der Loge der 3 Rosen anerkennen. Auf Grund dessen empfehlen wir unseren genannten Würdigen Bruder unseren gesamten, vereinigten oder über die ganze Welt verstreuten Brüdern. Gegeben in Hamburg am 15. des Monats Oktober des Jahres 1771. G.J. Baron von Rosenberg, Großmeister, J.H. Detenhoff, Dr., 2. Aufseher, F.H.A. von Sudthausen, 1. Auf-, Adolph Bubbers, Sekretär.“

Fünf Tage später schrieb von Zinnendorf dem neuen Bruder folgenden Brief nach Hamburg. Zitat: „Der Bruder Freiherr von Rosenberg hat mir das Vergnügen gemacht, mir unterm 15. dieses (Monats) zu berichten, dass er Sie zum Bruder Freimaurer auf- und angenommen hat. Ich wünsche Ihnen und uns zu diesem vollführten Schritte das beste Glück. Sie haben durch denselben eine Bahn betreten, die, und ich getraue mir zu behaupten, die einzigste in ihrer Art und diejenige ist, welche forschbegieriger Geist zum all-gemeinen Wohl der Menschen auszuspähen und zu ergründen je gewünscht habe und mag…. Jetzt will ich von demjenigen insbesondere mit wenigem sagen, was ich Ihretwegen wünsche und der Orden der Freimaurer von Ihnen in den Gegenden Ihrer jetzigen Bestimmung mit Zuversicht erwartet. Suchen Sie diesem nach, bitte ich, alldort zuvörderst derjenige zu werden, der Sokrates ehedem den Athenern war; allein dem widrigen Schicksal zu entgehen, welches leider seine Tage verkürzte, müssen Sie den Zirkel nicht überschreiten, den Ihnen die Freimaurerei jedesmal vorzeichnet und jederzeit gedenk bleiben, daß wir nur hinter verschlossenen Türen, auch allein gegen Brüder, welche mit uns gleiche Erkenntnisse haben, von der Freimaurerei reden und die uns darin aufgegebenen Arbeiten nie anders verrichten dürfen….Ich erwarte hierüber nach der mir ebenfalls den Br. Frh. von Rosenberg getanen Anzeige, Dero mir angenehme nähere Erklärung zuversichtlich, gleichwie die Schrift, welche Sie vor dem Eintritt in den Orden durch den öffentlichen Druck ganz zu Unrecht bekannt zu machen den Gedanken gehabt haben sollen…“. Soweit der Brief des Großmeisters.

Dieser Brief ist in mehrfacher Sicht außerordentlich wichtig. Die Erwähnung von Sokrates, der den Giftbecher trinken musste, hat Mathilde Ludendorff in ihrer 1937 erschienenen Schrift „Lessings Kampf und Lebensschicksal“ veranlasst, die ungeheuerliche Behauptung aufzustellen, die Freimaurer hätten Lessing durch Gift zur Seite gebracht, weil er in „Ernst und Falk“ Geheimnisse verraten habe. Mit dem erwähnten Brief des Großmeisters erhielt auch von Rosenberg ein Schreiben aus Berlin, in dem zum Schluß die Bitte ausgesprochen wurde, dass Zinnendorf bald die „Freimaurergespräche Ernst und Falk“ erhalte. Von Zinnendorf hat dann später, gleich Bode, dringend von einer Drucklegung abgeraten. Es ist natürlich sehr oft die Frage aufgeworfen, weshalb Lessing niemals die „Rosenloge“ oder eine andere betreten hat.

Was Bode später darüber geschrieben hat, ist mit größter Vorsicht aufzunehmen denn es war der „Strikten Observanz“ nicht angenehm, dass Lessing nun in eine Loge schwedischer Lehrart eingetreten war. Lessing soll mit seinem Bruder Karl über die Aufnahme gesprochen haben, aber auch dessen Mitteilungen kommen nicht aus erster Hand. Der Dichter selber hat nichts darüber geschrieben, es sei denn, man wolle aus Bemerkungen in „Ernst und Falk“ Schlüsse ziehen. Die Aufnahmezeremonie und was ihm dabei geoffenbart wurde, ist sicherlich nicht Grund zur späteren Enttäuschung gewesen. Das beweist eindeutig der Brief, den Rosenberg gleich nach der Aufnahme nach Berlin schrieb. Hier wird auch betont, dass die historische Aufnahme auf Lessings eigenen Wunsch stattgefunden habe. Weiterhin ist bemerkenswert, daß der Dichter darum gebeten hat, seinen Beitritt in Hamburg und Braunschweig vor-erst geheim zu halten.

Ausdrücklich betont Rosenberg dann noch, daß Lessing die Absicht habe, in Wolfenbüttel eine eigene Loge zu gründen. Am 19. Oktober 1771 schrieb der Großmeister von Zinnendorf, dass Rosenberg den neuen Bruder darüber unterrichten solle, welche ordensgesetzlichen Bestimmungen dann zu berücksichtigen wären. Auf keinen Fall ist also Lessing gleich nach der Aufnahme enttäuscht gewesen, zumal er bei dieser Gelegenheit den Wunsch äußerte, auch die Andreasgrade zu erhalten. Im Allgemeinen neigt man zu der Ansicht, dass es der bereits erwähnte Brief Zinnendorfs gewesen ist, der Lessing bestimmte, der Loge fernzubleiben. Es kann auch die Rücksicht auf seinen Landesherrn gewesen sein, denn Braunschweig war damals die Hochburg der Strikten Observanz und Herzog Karl dessen Protektor.

Eine Logengründung in Wolfenbüttel hätte ihn unter Umständen das Amt gekostet. Seine Verbindung mit freimaurerischen Kreisen hat Lessing nicht nur fortgesetzt, sondern sogar noch erweitert. Das zeigt ganz deutlich die Tatsache, dass er bei seinem Besuch in Wien mit Ignaz von Born, dem Logenmeister der Loge „Eintracht“, freundschaftlich zusammenkam. Bode und Knorre kamen nach Wolfenbüttel zu Besuch. Knorre war noch 1780 dort und lieh dem Dichter für seine geplante Reise nach Hamburg sogar 200 Taler. Auch mit dem Verleger Campe, einem Freimaurer und den Rosenbrüdern Joh. Heinr. Voß und Matth. Claudius, trat Lessing in enge persönliche Beziehungen. Offiziell gedeckt hat Lessing die Loge niemals und der Freimaurerei als Idee ist er auch nie untreu geworden. Das beweist sein Brief, den er am 19.Oktober1778 an Herzog Ferdinand schrieb dem er „Ernst und Falk“ gewidmet hatte. Er nennt diesen Fürsten den „ersten und würdigsten Freimaurer“.

Besonders für unsere Untersuchungen ist folgender Satz: „Alles, was man mir vertraut hat, liegt noch tief in mir verborgen. Ich habe nichts getan, was mit freiwillig von mir übernommenen Verpflichtungen auf irgendeine Art streite. Ich habe keine geheimen Kenntnisse entheiligt.“ Der Dichter hat auch niemals behauptet, daß er kein Freimaurer mehr sei. Das darf man aus einem Brief des Herzogs Ferdinand an ihn vom 21. Oktober 1778 schließen. Hier heißt es: „Sie wissen, daß ich Sie selbst für einen Freimaurer Meister, Sie mögen regelmäßig oder nicht regelmäßig aufgenommen sein, halte.“ In der Widmung von „Ernst und Falk“ an den erwähnten Herzog heißt es: „Durchlauchtigster Herzog, auch ich war an der Quelle der Wahrheit und schöpfte. Wie tief ich geschöpft habe, kann nur der beurteilen, von dem ich die Erlaubnis erwarte, noch tiefer zu schöpfen.“

Aus diesen Worten nun aber zu schließen, dass Lessing die Absicht gehabt habe, der Strikten Observanz beizutreten, ist völlig abwegig. So sehr wir bedauern, daß Lessing ein verlorener Sohn der Rosenloge und der GLL wurde, freuen wollen wir uns aber doch darüber, daß er einmal unser war, denn durch ihn ist die „Rosenloge“ in die Literaturgeschichte eingegangen. In einem kann Lessing uns allen ein Vorbild sein: Er war sein ganzes Leben ein eifrig Suchender nach Licht und Wahrheit. Das beweisen seine Worte: „Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit, in seiner Linken aber den Trieb nach Wahrheit, wenn auch immer mit dem Zusatz mich immer und ewig zu irren, hielte, und spräche zu mir: Wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke. <Herr, gib, die reine Wahrheit ist nur für Dich!>“

Damit endet der Zirkelkorrespondenz-Artikel von Br. Albrecht Jansen.

Br. Gernot Riebenstein, Alt VM JL „Zu den drei Rosen“

Der EMM-Geist von Maastricht

Obwohl es schon das 16. Treffen seiner Art war, ist es den meisten Brüdern noch nicht bekannt. Deshalb hier einige Worte zu dem europäischen Freimaurertreffen (European Masonic Meeting – EMM).

Im Jahr 2003 formulierte Éric Tédeschi (Worshipful Master Chaîne d’Union Européenne 183, Longwy, Frankreich) die Idee eines jährlichen europäischen Freimaurer-Treffens, um den Brüdern von regulären europäischen Logen die Möglichkeit zu geben, freimaurerische Erfahrungen, Informationen und Ideen auszutauschen.

Seine Loge war die erste Gastgeberin dieser jährlichen Veranstaltung, die darauf abzielte, eine europäische Bruderschaft zu schaffen, indem sie ein Objekt (siehe Bild), das die Europäische Freimaurereinheit symbolisierte, von Loge zu Loge übertrug. Jedes Jahr organisiert eine reguläre europäische Loge ein Treffen, bei dem sich Brüder aus ganz Europa zur europäischen Unionskette zusammenschließen können. Die Brüder der Johannislogen treffen sich, so dass freim. Titel und Ränge keine Rolle spielen.

Die erste rituelle Arbeit fand am 24. Mai 2003 in Longwy statt. 2018 wurde die Veranstaltung von der John J. Pershing Lodge in den Niederlanden ausgerichtet. Der Stein ist seitdem in Andorra, Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Rumänien, Serbien und Zypern gewesen. Dieses Jahr waren aus Deutschland Ordensbrüder aus Hamburg, Husum, Flensburg, Neumünster, Rendsburg, Wuppertal und Brüder von AFuAM aus Idar-Oberstein dabei.

Eine Gruppe von Hamburger Ordensbrüdern nimmt seit 2013 jedes Jahr teil und hat somit die Städte Husum, Belgrad, Bukarest, Luxemburg, London und dieses Jahr Maastricht kennengelernt und durfte die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Brüder vor Ort geniessen.

Da der offizielle Teil nur Freitag und Samstag begangen wird, plant die Gruppe ihre Reisen immer vom Mittwoch bis Sonntag, so dass mehr Zeit zur Verfügung steht Land und Leute kennenzulernen. Dieses Jahr wurde zusammen mit den Brüdern und Schwesern aus Norwegen die Stadt Aachen mit seinem Dom erkundet; leider konnte das Rathaus und der Marktplatz nicht wahrgenommen werden, da die europäischen Staatsoberhäupter in Aachen bei der Verleihung des Karlspreises an den französischen Staatspräsidenten Emanuel Macron anwesend und somit sehr viele Gebiete der Innenstadt gesperrt waren. Am Freitag war ausreichend Zeit um die Innenstadt Maastrichts kennenzulernen. Neben Englisch war Deutsch die Sprache, die von allen teilnehmenden Brüdern überwiegend gesprochen wird.

Die gastgebende John J. Pershing Lodge hat das „Get-together“ in dem Van-Der-Valk-Hotel, Urmond vorbereitet. Mit über 120 teilnehmenden Schwestern und Brüdern aus 12 verschiedenen Nationen war der Abend eine gesellige, von brüderlicher Harmonie geprägte Veranstaltung, die bei hervorragedendem Wetter bis spät in die Nacht andauerte.

Am Samstag konnten vormittags während einer ausgiebigen Schiffstour inklusive Lunch weitere Unterhaltungen geführt und der Fluß und die Ufer der Maas genossen werden. Die rituelle Arbeit am Samstag-Nachmittag fand im dritten Grad statt. Das Ritual stammt aus Kanada und dauerte über drei Stunden. Bei dem anschließenden Dinner wurden zahlreiche Tosts ausgebracht und stets die Wichtigkeit einer europäischen Freimaurerkette betont.

In 2019 findet das EMM vom 10. bis 11. Mai 2019 in Lissabon statt. Interessierte Brüder können dem Bruder Sven Walther (sek@phzw.de) eine Mail senden, um weitere Informationen zu erhalten.

2020 ist die Johannisloge „Phönix zur Wahrheit“, Hamburg Ausrichter und 2021 die „Athol Lodge No. 74“, Birmingham.

Br. Sven Walther
Phönix zur Wahrheit, Hamburg
sek@phzw.de

 

Mit 18 Jahren trat ich in Dortmund in den Orden der Freimaurer ein.

Ich hatte weder einen freimaurerisch gefärbten familiären Hintergrund, noch ein besonders ausgeprägtes Wissen über den Bund von Männern, denen ich von nun an als Bruder gelten sollte. Eine Mischung aus Faszination, Neugierde und einer vagen Ahnung davon, dass ich hinter der Tür der Loge Ideen aber auch Menschen finden könnte, die für meine Entwicklung als Mensch, als auch für mein zukünftiges Leben Fixpunkt und Mentoren sein könnten.

Heute, 5 Jahre später: noch immer eher Suchender als Sehender, habe ich dennoch ganz klar erkenne können, dass diese, damals romantischen Vorstellungen und Hoffnungen von Freimaurerei sich durchaus bewahrheitet haben. Seit dieser Zeit scheint mir persönlich die Welt noch schneller, unsteter und im wahrsten Sinne haltlos geworden zu sein. Verlässliches und Bewährtes rücken immer mehr und mehr in den Hintergrund für aktuelle Trends und Veränderungen, die morgen bereits wieder überkommen oder sogar in Vergessenheit geraten sind.

Und doch spüre ich bei vielen gleichaltrigen Freunden und Bekannten, vielleicht sogar stärker als jemals zuvor, den Wunsch und das Bedürfnis nach Beständigkeit, nach einem tragenden Fundament, in einer Welt, die den Einzelnen jeden Tag zu überholen scheint. Und entgegen vieler anderer Angebote von Gemeinschaften, Vereinen- und Gesellschaftszirkeln, die salopp gesprochen, der bloßen Freizeitunterhaltung und des beliebigen Get-together dienen, glaube ich, dass der innerste Kern unseres Ordenswesens eine echte, eine substanzielle Persönlichkeitsentwicklung anbieten kann.

Auch wenn die Suche nach Strukturen auf dem Weg des Älter- und Erwachsenwerdens nichts Neues ist, so scheint es besonders in unserer Zeit und Generation und wahrscheinlich zukünftig noch viel mehr einen Bedarf zu geben, den wir in unserer Gemeinschaft beantworten können. Und doch fällt es uns momentan noch sehr schwer geeignete Maßnahmen und Projekte zu initiieren, die vor allem jüngere Suchende zu uns führen.

Liebe Brüder, wenn Sie sich nun fragen, was berechtigt oder qualifiziert Brüder unter 33 für diese Unternehmung, dann will ich euch sagen, es ist nicht die Lebenserfahrung. Aber vielleicht die für uns noch nicht lange zurückliegende Entscheidung eben auch in jungen Jahren den Weg in unsere Gemeinschaft gefunden zu haben.

All diese Gedanken können nicht realisiert werden ohne das Verständnis und die Unterstützung der gesamten Logenbrüder, die aber auch neuen Impulsen und Aspekten des Freimaurerseins offen gegenüber stehen müssen.

Text: Br. Niklas Hahn

Durch einen glücklichen Umstand ist uns die Lade des Ordens+Meisters übergeben worden, die in zahlreichen Dokumenten die Geschichte der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland betrifft. Dadurch ist die Große Landesloge in der Lage, über die Eckleffschen Akten, die Eckleff an von Zinnendorf übergeben hat, lückenlos zu verfügen. Gleichzeitig verfügen wir damit auch über die Eckleffschen Gründungsurkunden für das Große Ordens-Kapitel in Berlin. Diese Akten und Originaldokumente aus dem 18. Jahrhundert sind allerdings in der Bruderschaft kaum bekannt und nicht genauer erforscht.

In der heutigen Zeit versuchen wir, alles Wahre und Wirkliche historisch zu ergründen und zu erforschen. Damit wollen wir uns selbst Klarheit verschaffen, auch um es anderen gegenüber als wahr und wirklich vertreten zu können. Aus diesem Grund ist es angebracht, diese historischen Schätze unserer freimaurerischen Tradition öffentlich zugänglich zu machen. Dies hatte die Große Landesloge schon vor 20 Jahren eingeleitet, indem sie ihre früher geheim gehaltenen Archivalien dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz anvertraute, damit sie für jeden berechtigten Forschenden zugänglich sind. Dazu gehörten auch die Inhalte der übrigen restituierten Logenarchive.

Um diese Erforschung ermöglichen zu können, braucht es immer wieder forschende Brüder, die bereit sind, viel Zeit zu investieren und sich dieser Aufgabe zu stellen, die große Menge und Vielfalt dieser Dokumente zu sichten, zu erschließen und zu interpretieren – und sie damit allen Interessierten nutzbringend für ihre eigene Erkenntnis und weitergehende Forschung zur Verfügung zu stellen.

Als diese Archivalien der Großen Landesloge in den 1930er Jahren in einer waghalsigen Rettungsaktion nach Stockholm ausgelagert worden waren, wurden dort Kopien dieser Dokumente angefertigt. Es war ein glücklicher Zufall, dass diese Kopien in die Hände des Br. Wolfram Arton gerieten. Dies war für ihn der Anlass, eine Veröffentlichung dieser Archivalien vorzubereiten. So können wir nun den gesamten Bestand dieser Urkunden aus dem 18. Jahrhundert sowie der im 19. Jahrhundert dazu gekommenen Dokumente aus dem Ordensarchiv der Großen Landesloge präsentieren und sie insbesondere interessierten Kapitel-Brüdern zugänglich machen. Im gleichen Zuge wurden auch die entsprechenden Originale zu Verwahrung dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK) übergeben.

Ich verbinde damit die Hoffnung, dass ein eingehendes Studium und eine breitere Wahrnehmung dieser Dokumente unser Verständnis über die Grundlagen unseres Freimaurer-Ordens klären und wesentlich verbessern werden.

Ich danke Bruder Wolfram Arton sowie den Bbr. Klaus Bettag, Klaus Wilcke und Jan Ziolkowski für ihre intensive und zeitaufwendige Arbeit und hoffe, dass viele Brüder dieses Werk zur Erweiterung ihrer Kenntnisse um die Entstehung unseres Ordens nutzen und für ihre eigenen Nachforschungen verwenden mögen.

Achim Strassner, Ordens+Meister

 Legenden und Wirklichkeit n der Geschichte der Freimaurerei

Die „moderne“ Freimaurerei feierte 2017 ihr 300. Jubiläum. Doch schon seit längerem ist klar, dass weder das behauptete Gründungsjahr noch der damit verbundene Mythos einer seriösen primärwissenschaftlichen Betrachtung Stand halten. So haben kürzlich die Historiker Susan Mitchell Sommers, Saint Vincent College Pennsylvania und Andrew Prescott, University of Glasgow, mehrere Arbeiten publiziert, die die Autorität der offiziellen Freimaurerchronik infrage stellen.

Beide Wissenschaftler gehören zu den international renommiertesten Freimaurerforschern, ohne selbst Freimaurer zu sein. Je intensiver sie sich mit der Chronik und den „Constitutions“ des Reverend James Anderson von 1738 beschäftigten, desto stärker wurde ihr Verdacht, dass die Freimaurer im alten England die eigene Chronik manipuliert haben. Dass das in der Freimaurerei im Laufe der Jahrhunderte leider viel zu oft passiert ist, wissen wir mittlerweile. So wird auch der Gründungsmythos der Freimaurerei von 1717 verständlicher.

Mit Beginn vor rund 30 Jahren schreitet die Quellenforschung international nun aber durch Öffnung der meisten Logenarchive und durch Recherchen in sonstigen Archiven sowie akribische Einsichtnahmen in Mitgliederlisten, Protokollen etc. voran. Freimaurerische Quellenforschung arbeitet mit historischen Tatsachen, im Gegensatz zur Literaturforschung. Letztere beschränkt sich naturgemäß oft darauf, vorangegangene Schriften auszuwerten, wobei die große Gefahr besteht, Legenden und Fehlinformationen mitzuschleppen und als allgemeines und richtiges Wissensgut zu behandeln. So präsentierten Prescott und Sommers bereits auf der Sondertagung der englischen Quatuor Coronati Lodge No 2076, London, im September 2016 in Queens´ Cambridge eine sehr interessante und viel beachtete Studie: „Searching for the Apple Tree“. Darin wird gesprochen vom Gründungs-Mythos der Freimaurerei „1717“.

Am 15. Februar 2018 fand dann in London ein QC-Symposium „1717 – & all that´“ statt, um zu klären, ob man 1717 oder 1721 zum Gründungsdatum erklärt. Zusammenfassend: Die von Anderson erst 1738 (!) beschriebene „Geschichte“ der Ersten Groß-Loge wird von Historikern gründlich auseinander genommen. Sie erweist sich angesichts neu entdeckter Original-Dokumente und neu evaluierter alter Dokumente als „fake news“. Anscheinend wurde sie im Auftrag der „Ersten Großloge“ von England erstellt, als 1735 die Großloge von Schottland und 1738 die Großloge von Frankreich sich gründeten und daher das Alter der „Ersten Großloge“ herausgehoben werden sollte – auch gegen Yorck, Irland usw., die tatsächlich viel ältere freimaurerische Traditionen darstellen. Erst ab 1721 kann man definitiv von einer Großloge sprechen; zu diesem Zeitpunkt gibt es mehrere zeitgenössische Dokumente, die sich auch gegenseitig stützen.

Die anlässlich der Heidelberger Gespräche von dem Vorsitzenden der Freimaurerischen Forschungsvereinigung FREDERIK, Klaus Bettag, gehaltenen Ausführungen vor interessiertem Publikum stützten sich im wesentlichen auf zwei Vorträge, die Louis Trébuchet auf der ICOM 2017 am 30. Mai 2017 in Toulon gehalten hat. Trébuchet ist Vorsitzender Meister der Nationalen Foschungsloge „Maquis de La Fayette“ der Grande Loge de France und Organisator der ICOM 2017. Zum Schluss der Heidelberger Gespräche gab Klaus Bettag den Teilnehmern noch folgendes mit auf den Weg: „Einfache Polarisierungen vordergründiger Art bringen gar nichts. Ein Gegeneinander-Anreiten der Positionen verdeckt nur die Dramatik der untergründigen Geistes-Bewegungen, denen wir uns auch heute noch stellen müssen: Legitimität und Rechtfertigung politischer und religiöser Autorität und Machtausübung vor dem Geist der Freiheit und Liebe des erwachsenen Menschen, der sich selbst aber erst in einem individuellen Entwicklungsprozess entwickelt – das bleibt unser Spannungsboden, wie und wo auch immer wir uns positionieren, außerhalb und innerhalb der Freimaurerei. Sind wir deshalb den Jakobiten verpflichtet, oder doch eher den Moderns? Ein jeder prüfe sich selbst – ein jeder Ritus sich auch. Für interessierte Brüder ist ein Manuskript der Heidelberger Gespräche „Legenden und Wirklichkeit“ wieder einige Zeit unter viveritatis@gmail.com als PDF erhältlich.

Text: Br. Ralph-Dieter Wilk