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Die Geschichte der Loge „Anschar zum Friedenshafen“ zu Cuxhaven mit vielen Höhen aber auch mit den Tiefen von 1874 bis in die Gegenwart, 2019, lässt sich in drei wichtige Abschnitten darstellen:

  1. Die Jahre 1874 bis 1935

Schon sehr früh, ab 1814, ist das Wirken der Freimaurer in Cuxhaven nachweisbar. Ab 1873 gab es die ersten Zusammenkünfte, daraus entstand am 7. Februar 1874 ein Freimaurerisches Kränzchen. Brüder, vor allem aus Hamburg, die in Cuxhaven ihrem Beruf nachgingen, trafen sich fortan regelmäßig. Später, ab 1891, begann die Initiative für eine Logengründung. Am 30. Oktober 1894 wurde das Grundstück für die Loge (Grüner Weg 18) gekauft. Ein Jahr später, am 15. Oktober 1895, war das neue, heute noch genutzte, sehr repräsentative Logenhaus fertiggestellt. Am 10. November 1895 erfolgte die feierliche Weihe der Freimaurerloge ”Anschar zum Friedenshafen” (AzF) zu Cuxhaven. Mit 16 Brüder begann die Loge 1895.

Im Jahre 1900 war die Loge schon auf 41 Brüder angewachsen. Auch in der Zeit des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 kamen die Brüder im Logenhaus regelmäßig zusammen. Der Gesellschaftsraum im Erdgeschoss diente allerdings als Reservelazarett. Nach dem Ersten Weltkrieg wuchs die Bruderschaft weiter. Ab 1928 plante man wegen der beginnenden Raumnot ein neues Logenhaus zu bauen. 1929 erreichte die Loge mit 154 Brüder ihren Höchststand. Mit den aufkommenden Nazis und den entwürdigenden Angriffen und der Hetze gegen die Freimaurer traten ab 1931 /1932 nach und nach viele Brüder aus. Sie fürchteten vor allem um ihr berufliches Fortkommen. Neuzugänge gab es nicht mehr. Die Angriffe der Nazis verstärkten sich mit deren Machtergreifung ab 1933. 1935 mussten sich die Logen wegen des Verbots durch die Nazis auflösen. Zuletzt waren es noch 35 Brüder. Auch die Freimaurerische Vereinigung auf Helgoland von 1903 gab es nicht mehr.

  1. Die Jahre 1945 bis 1995

Cuxhaven wurde am Ende des 2. Weltkrieges, am 8. Mai 1945, von den königlich-britischen Truppen besetzt. Der Stadtkommandant war in Großbritannien Freimaurer. Bei einem Gang durch die Stadt stieß er in der Mittelstr. auf eine Tischlerei mit dem Zunftzeichen der Tischler (Zirkel, Winkel und Hobel). Der Offizier fragte den Inhaber, ob er ein „Freemason“ (Freimaurer) sei. Man schickte ihn zu Johann Krooß in die Prinzessinnentrift. Dort sah er an der Wand das Logenschwert von 1895, das seit 1935 privat aufbewahrt wurde. Major Trotter empfahl Bruder Krooß, für die Loge einen Antrag auf Vereinsgründung zu stellen. Sofort kamen die früher amtierenden Brüder zusammen. Man formulierten den Antrag in englischer Sprache und brachten ihn dem britischen Stadtkommandanten. Der Antrag wurde schon am 31. Mai 1945 genehmigt und am selben Tag ins Vereinsregister eingetragen. Es war die erste Eintragung eines Vereins nach dem Kriege in Cuxhaven und es war zugleich auch die erste Genehmigung, eine Loge in Deutschland nach dem Kriege wieder zu errichten. Allerdings funktionierte keine Postversorgung und so trafen sich erst am 14. Juni 1945, einen Monat und sechs Tage nach Kriegsende, 31 treu verbliebene Brüder. Die königlich-britische Militärregierung hatte zudem dafür gesorgt, dass den Brüdern in ihrem früheren Logenhaus, was zu der Zeit noch als Heimatmuseum der Stadt Cuxhaven fungierte, zunächst ein Raum für die Zusammenkünfte zur Verfügung gestellt wurde. Am 14. Juni 1945 wurde beschlossen, das Johannisfest 10 Tage später, am 24. Juni 1945 zu begehen. Für dieses Treffen wurde der Bruderschaft empfohlen, doch bitte Essbesteck und Teller für ein einfaches Mahl mitzubringen. Das 50. Stiftungsfest im November 1945 viel mangels Heizmaterial aus. Man beschloss, lieber im Sommer 1946 zusammenzukommen.

Die mit der AzF-Loge befreundete Nachbar-Loge „Zu den drei Ankern“ in Bremerhaven nutzte ab Sommer 1946 auch die Räumlichkeiten der Loge in Cuxhaven, da es in Bremerhaven erst ab 1949 möglich war, wieder eine Loge einzurichten. Die Brüder beider Logen hielten nicht nur damals, sondern bis heute einen engen brüderlichen Kontakt. Der weitere Aufbau der Loge „Anschar zum Friedenshafen“ folgte. 1950 wurde das Logenhaus wieder Eigentum der AzF.

1955 wurde das 60. Stiftungsfest würdevoll begangen. Bruder Ernst Fischer stiftete seiner geliebten Loge „Anschar zum Friedenshafen“ eine besondere Skulptur: „Der Bruder“. Diese Figur ist ein besonderes Schmuckstück im Vorraum des Tempels. Abgüsse wurden der Provinzialloge von Niedersachsen in Hamburg und auch der Großen Landesloge in Berlin übergeben. Eine erste Restaurierung des Hauses erfolgte in den 50er-Jahren. 1988 begannen die gründlichen Umbauten der Räume im Logenhaus. Das einladende Treppenhaus erhielt seine frühere Pracht zurück und auch der Tempel im Obergeschoss erstrahlt seither in eindrucksvoller Stärke und Schönheit. 1994 konnten die Brüder der AzF eine Tochterloge, die Loge „Zum goldenen Steig“ in Passau gründen. Ein Jahr später, 1995, beging die Loge „Anschar zum Friedenshafen“ ihr 100. Stiftungsfest.

  1. Die Jahre von 1995 bis 2019

Von 1996 bis 2001 und von 2003 bis 2013 konnten mehrere neue Mitglieder aufgenommen werden, jedoch verlor die Loge in den Zeiträumen u. a. durch viele Sterbefälle mehr Brüder. Augenblicklich (2019) steigt die Zahl der Mitglieder wieder leicht an. Eine andere Form der Öffentlichkeitsarbeit, das monatliche „Freimaurer-Forum“, zeigt wohl Wirkung.

Um einen weiteren Interessentenkreis für die Loge zu erreichen, wird voraussichtlich Ende April 2019 ein Buch „Auf den Spuren der Freimaurer im Elbe-Weser-Dreieck“ vorgestellt. Beteiligt sind die Logen aus Bremerhaven, Cuxhaven und Stade. In dem Werk werden u. a. Namen von Freimaurern zu finden sein, die z. B. durch Straßennamen in der Region geehrt worden sind.

Text und Bild: Br. Manfred Mittelstedt, JL „Anschar zum Friedenshafen“ zu Cuxhaven

Veranstaltungen

01.04.2019

 

Logenhaus Moorweidenstraße 36, 20146 Hamburg

Beginn: 19.30 Uhr