Freimaurerorden

Geschätzter Leser

Sie lesen hier den aktuellen Newsletter zur Homepage der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland.

Die Themen in dieser Ausgabe:

Drei Fragen an Br. Jürgen Wenzel

1. Was hat Dich zur Freimaurerei gebracht?
2. Was ist für Dich das Wichtigste als Freimaurer?
3. Wie hat die Freimaurerei Dich und Dein Leben verändert?

Standpunkt und Denkanstoß

Ist die Aufklärung ein Kind der Freimaurerei?

Auf ein Wort

mit dem Freimaurerorden.

Br. Jürgen Wenzel ist ein Mann der Tat. Seit seiner Aufnahme in den Freimaurerorden im Jahr 1995 bringt er sich mit großer Verlässlichkeit ein. Zur See kümmerte er sich als leidenschaftlicher Koch um das Wohl seiner Passagiere – und hielt seine besten Ideen in einem Kochbuch für Freimaurer fest, voller echter Leckerbissen. An Land ist er als passionierter Schäfer bei seiner Herde zu Hause. Für die Freimaurerzeitschrift „Zirkelkorrespondenz“ wirkt er seit 25 Jahren in vielfältiger Weise federführend mit. Ob als Logenmeister oder Redner: Auf Br. Jürgen Wenzel ist immer Verlass.

Freimaurerei ist für mich kein Zustand, sondern ein Weg. Ich sage bewusst nicht: „Ich bin Freimaurer“, sondern: „Ich will einer werden“ – weil es um das tägliche Arbeiten an mir selbst geht, in der Loge und erst recht im Alltag.

Br. Jürgen Wenzel

Was hat Dich zur Freimaurerei gebracht?

Br. Jürgen Wenzel

Es begann als Zufall, entwickelte sich jedoch rasch zu einer bewussten Entscheidung, die sich später als wegweisend erwies. Ich bin zur Freimaurerei gekommen, weil ich einen persönlichen Mittelpunkt außerhalb von Familie und Alltag gesucht habe – einen Ort der inneren Orientierung und Entwicklung. Lange fiel es mir schwer, das Wesen Gottes zu erfassen. Auch viele Gespräche, insbesondere zum Beispiel mit Pastoren, beantworteten meine Fragen nicht, sodass mein Verhältnis zu Gott ambivalent blieb.

In der Freimaurerei habe ich dann einen Weg gefunden, der nicht auf schnelle Antworten setzt, sondern auf Erfahrung, Selbstreflexion und gelebte Werte. Die Ordenslehre hat mir geholfen, göttliche Maßstäbe Schritt für Schritt in Denken und Handeln zu integrieren. Ebenso prägend ist für mich die Brüderlichkeit: der offene, respektvolle Austausch und das ehrliche Miteinander, das trägt und fordert. Beides zusammen hat meine Persönlichkeitsentwicklung vertieft – und gibt mir heute Ruhe, Zufriedenheit und Gelassenheit.

Was ist für Dich das Wichtigste als Freimaurer?

Br. Jürgen Wenzel

Für meine Mitmenschen wirklich da zu sein. Als Bruder tätig zu sein heißt für mich, mich zuverlässig einzubringen: Zeit, Erfahrung und Wissen weiterzugeben, soweit ich es kann – ohne zu belehren, sondern unterstützend und im gemeinsamen Austausch. Besonders wichtig ist mir dabei die Begegnung im anderen: dem Bruder wirklich zuzuhören, ihn ernst zu nehmen und im Miteinander voneinander zu lernen.

Aufgaben, die ich übernehme, will ich sorgfältig und gewissenhaft zu einem guten Ende bringen. Dabei begleitet mich ein Grundsatz: Freimaurerei ist für mich kein Zustand, sondern ein Weg. Ich sage bewusst nicht: „Ich bin Freimaurer“, sondern: „Ich will einer werden“ – weil es um das tägliche Arbeiten an mir selbst geht, in der Loge und erst recht im Alltag.

Wie hat die Freimaurerei Dich und Dein Leben verändert?

Br. Jürgen Wenzel

Wie sehr mich die Freimaurerei verändert hat, sollten am Ende wahrscheinlich eher meine Brüder und die Menschen um mich herum beurteilen. Was ich selbst sagen kann: Sie hat mir über die Jahre einen Weg eröffnet, der mir den Zugang zu Gott nicht in fertigen Antworten, sondern stufenweise – durch Erfahrung, Arbeit an mir selbst und gelebte Prinzipien – nähergebracht hat und dadurch für mich überhaupt erst erlebbar wurde.

In mehr als 30 Jahren ist viel gewachsen und auch viel abgeschliffen. Ich bin ruhiger und gelassener geworden, weniger jähzornig, und ich versuche bewusster zu handeln – in der Loge wie im Alltag. Natürlich bin ich nicht „fertig“: Auch ich kenne meine Schattenseiten und arbeite weiter daran. Aber ich habe gelernt, Menschen und Leben grundsätzlich mit mehr Wohlwollen zu begegnen – auch wenn ich nicht alles gutheiße, was Menschen tun.

Und manchmal zeigt sich das ganz bodenständig: Jetzt ruft wieder die Arbeit – zwei Schafe haben gelammt. Wie es Johann Wolfgang von Goethe in Faust I sagt: „Die Kunst ist lang; und kurz ist unser Leben.“

Denkanstoß: Ist die Aufklärung ein Kind der Freimaurerei?

von Br. Werner H. Heussinger, Landesgroßredner

Von Br. Werner H. Heussinger, Landesgroßredner

Die Zukunft unserer Gesellschaft ist nicht nur eine Frage von Technik, Wirtschaft oder Politik – sie ist vor allem eine Herausforderung an unser Bewusstsein. Denn das kleinste „Pixel“ jeder Gesellschaft ist das Individuum. Genau dort setzt die Freimaurerei an: beim einzelnen Menschen, seiner Reifung, seiner Haltung, seiner Freiheit.

In einer Zeit, in der „Humankapital“ gern nach Effizienz klingt, erinnert die Freimaurerei daran, was dieser Begriff im Kern bedeuten müsste: den Menschen zu stärken – nicht zu verwerten. Freiheit ist dabei kein dekoratives Ideal, sondern Voraussetzung jeder Entwicklung. Der „freie Mann“ meint die Souveränität, das eigene Leben selbstbestimmt zu führen, sich zu entfalten und an sich zu arbeiten.

Seit Jahrhunderten gilt die Freimaurerei als eines der wirkmächtigsten Netzwerke der Geschichte – nicht wegen Macht, sondern wegen Methoden: Prinzipien, Werkzeuge und Rituale, die Persönlichkeitsentwicklung nicht predigen, sondern einüben. Oft heißt es, sie sei ein Kind der Aufklärung. Vielleicht trifft eher das Gegenteil zu: dass Aufklärung auch aus freimaurerischem Denken mit hervorging – aus dem Vertrauen in Vernunft, Würde und Humanität.

Gerade unsere neue Epoche macht diese Fragen dringlicher: Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, geopolitische Polarisierung – zugleich Klimawandel, Informationsfluten und Konflikte. Inmitten dieser Beschleunigung wird klar: Zu Menschenrechten gehören Menschenpflichten. Moralische und ethische Verantwortung sind keine Privatangelegenheit mehr, sondern Überlebensbedingung einer komplexen Welt.

Daraus wächst die Idee einer erweiterten Schicksalsgemeinschaft: Menschen, die über Eigeninteressen hinaus verantwortlich handeln – getragen von Tugenden wie Empathie, Respekt und Nächstenliebe als Basis eines friedlichen Miteinanders. Persönlichkeitsentwicklung, Freiheit, Humanität und Fortschritt: In der Freimaurerei sind sie nicht getrennte Themen, sondern ein zusammenhängender Anspruch – an jeden Einzelnen.

Podcast No. 1 – „Mensch und KI in der Demokratie“.
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