
Freimaurerorden
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der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland.
Die Themen in dieser Ausgabe:
Drei Fragen an:
Br. Stefan Szych
1. Wie bist Du zur Freimaurerei gekommen?
2. Was ist für Dich das Wichtigste als Freimaurer?
3. Wie hat die Freimaurerei Dich und Dein Leben verändert?
Standpunkt und Denkanstoß
Der Tempel als Erfahrungsraum
mit dem Freimaurerorden.

Stefan Szych ist ein Mann des Wortes. Er absolvierte ein Volontariat an der Axel Springer Journalistenschule (heute: Axel Springer Academy of Journalism and Technology), war Sportredakteur bei den Elmshorner Nachrichten, Politikredakteur bei Antenne Niedersachsen in Hannover, Hörfunk-Sprecher bei der Gruner + Jahr Funk- Fernsehproduktionsgesellschaft und NDR INFO in Hamburg und ging 1999 zur Auto BILD. Neben seiner Arbeit als Redakteur war er dort mehrere Jahre Betriebsratsvorsitzender. Stefan Szych singt in einem A Capella-Pop-Chor und tanzt Squaredance. Er hat zwei Kinder und wohnt südlich von Hamburg.
Br. Stefan Szych wurde 2004 in der Johannesloge „Zur unverbrüchlichen Einigkeit“ in Hamburg in den Freimaurerorden aufgenommen und war dort zuerst Sekretär und dann mehrere Jahre Redner. Im Jahr 2014 wählten ihn die Brüder der Andreasloge Concordia 2014 zu ihrem Wortführenden Meister (Vorsitzenden), ein Amt, das er bis 2024 innehatte. Br. Stefan Szych ist aktuell Redner und Abgeordneter Logenmeister in seiner Johannesloge, sowie Abgeordneter (stellvertretender) Landesgroßredner.
Br. Stefan Szych

Br. Stefan Szych
Das begann etwa im Jahr 2002 eher zufällig. Mit einem Kollegen kam ich scherzhaft ins Gespräch über die Freimaurerei. Er hatte an dem Tag statt seiner üblichen Kleidung eine schwarze Hose und ein weißes Hemd an, am Schrank hing ein schwarzes Sakko. „Ist was mit Oma?“ fragte ich scherzhaft. „Nein, dafür bin ich schon zu alt“, sagte er lachend. „Du weißt, ich bin Freimaurer und heute Abend gehe ich zur Logenarbeit.“ Nach einer Pause fragte er: „Interessiert Dich so etwas?“ Meinem Ja folgte seine ernüchternde Antwort: „Dann haben wir ein Problem: Deine Kirche verbietet das.“ Wir redeten trotzdem weiter. Ich blieb hartnäckig und er lockte mit Andeutungen über die Freimaurerei sowie interessanten Einblicken.
Ich erinnere mich, dass viele Gespräche mit einem Cliff-Hanger endeten, und ich danach sofort im damals im Vergleich zu heute noch relativ kleinen Internet nach Antworten oder weiteren Informationen suchte. Dieser „erweiterte Gästeabend“ dauerte etwa eineinhalb Jahre, dann wurde über mich gekugelt und ich wurde im September 2004 aufgenommen. An die Aufnahme selbst erinnere ich mich nicht mehr, aber an das Gefühl danach: 20 Männer, die ich vorher nicht kannte, kamen auf mich zu und umarmten mich, als würden wir uns seit Jahrzehnten kennen und schätzen. Es war umwerfend, herzlich, schön. Dieses Gefühl hat sich bis heute gehalten – das Aufgehobensein, die Verbundenheit.

Br. Stefan Szych
Mich mit den Brüdern verbunden zu fühlen – während der rituellen Arbeiten und auch sonst. Es geht um Ehrlichkeit, auch wenn die manchmal wehtut. Es geht um Verbundenheit – auch wenn die manchmal wehtut, weil sie einen selbst hinterfragt. Und es geht um Abgrenzung – wie viel halte ich aus, bevor ich eine gesunde Grenze ziehe in Bezug auf Nähe oder auch Übernahme von Verantwortung. Das ist eine Gradwanderung – immer. Eine Herausforderung. Denn, ganz ehrlich, wie jeder Bruder bringe ich mich immer selbst mit. Ich bin in der Loge kein anderer als „draußen“.
Der Unterschied ist: In der Loge darf ich das. Ich darf Stefan sein. Ich muss mich aber auch trauen, die Maske abzulegen. Und ich darf üben, was ich draußen nicht kann: Abgrenzung, Nein-sagen oder eben auch Verantwortung übernehmen, je nach nachdem, was ich draußen nicht oder nicht so gut kann. Die Loge ist eine Art Spielwiese, ein Übungsfeld für die profane Welt. Und für mich ist sie, und das ist der zweite sehr wichtige Punkt, ein Dreh – und Angelpunkt meines spirituellen Lebens.

Br. Stefan Szych
In schwierigen Zeiten war die Loge, war die Freimaurerei schlicht und einfach meine Zuflucht. Die Brüder, das Ritual, die Ämter haben mir geholfen, nicht nur um mich abzulenken, sondern auch, um eine beruhigende Struktur zu finden außerhalb der „tragisch-chaotischen Zone“, wie ich sie heute nenne. Gleichzeitig hat mich die Freimaurerei meinem Glauben wieder nähergebracht. Nicht mit dogmatischen Vorgaben, sondern freier und – innerhalb der Ritualgrenzen – spielerischer.
Ich lebe wieder intensiv spirituell. Ich habe durch die Freimaurerei, und gerade auch durch meine Zeit als Vorsitzender und damit als „oberster Diener“ des Rituals, einen weiteren Zugang zu meinem Glauben gefunden, einem Glauben, der mir lange Zeit innerlich verbaut war. Das ist ein sehr beglückendes Gefühl. Auch da fühle ich mich verbunden, hoffnungvoll und gehalten in schwierigen Zeiten. Dafür bin ich sehr dankbar.
von Br. Werner H. Heussinger, Landesgroßredner

„Gute Menschen besser machen“ – kaum eine Formel bringt das Anliegen der Freimaurerei so prägnant auf den Punkt. Im Zentrum steht dabei die Arbeit an sich selbst. Das Ritual ist für Freimaurer nicht bloß Tradition oder Form, sondern ein Erfahrungsraum, in dem Persönlichkeitsentwicklung möglich wird. Der sogenannte Tempel ist dabei mehr als ein äußerer Ort: Er ist ein geschützter Raum der Sammlung, eine Gegenwelt zum Lärm und zur Zerstreuung des Alltags.
Wer den Weg in die Freimaurerei sucht, ohne bereits aufgenommen zu sein, wird Suchender oder Kandidat genannt. Schon diese Bezeichnung verweist auf eine innere Bewegung: auf den Wunsch, sich selbst besser zu erkennen. Besonders im ersten Grad, dem Lehrlingsgrad, steht diese Suche im Vordergrund. Der symbolische und initiatorische Weg des Rituals eröffnet hier einen Raum der Innenschau. Erkenntnis entsteht nicht allein durch abstraktes Nachdenken, sondern vor allem durch persönliches Erleben. Was im Ritual sichtbar wird, muss innerlich nachvollzogen und existenziell durchdrungen werden.
Jedes Ritual ist an einen bestimmten Ort gebunden. Gemeinschaftlich vollzogene Rituale brauchen einen Raum, der sie trägt und ihnen Gestalt verleiht. In der Freimaurerei ist dies der Logenraum, auch Tempel genannt. Dort hebt sich das Geschehen vom gewöhnlichen Alltag ab. Vor dem Tempel liegt die profane Welt; im Tempel öffnet sich eine andere Ordnung von Zeit und Aufmerksamkeit. Es ist ein Raum, der nicht nur den Verstand anspricht, sondern ebenso Gefühl, Haltung und innere Gegenwart. Gerade dadurch kann etwas entstehen, das über den bloßen Vollzug hinausweist: ein Prozess innerer Formung.
Freimaurer sprechen in diesem Zusammenhang vom „inneren Tempel“, den jeder Mensch in sich selbst errichtet. Gemeint ist damit eine Haltung der Sammlung, der Selbstprüfung und der bewussten Arbeit am eigenen Wesen. Das Ritual ist hierfür nicht Selbstzweck, sondern ein erprobter Weg. Über Jahrhunderte hinweg haben Menschen in ihm eine Praxis gefunden, die ihnen Orientierung, Vertiefung und innere Reifung ermöglicht hat.
Wer dem Geheimnis des Lebens näherkommen will, kann sich nicht darauf beschränken, die Wirklichkeit immer weiter in Daten, Funktionen und Einzelteile aufzulösen. Erkenntnis verlangt mehr als Analyse. Sie verlangt, Denken, Fühlen und Handeln wieder in Beziehung zueinander zu setzen und in ein stimmiges Ganzes zu führen. Eben darin liegt für Freimaurer eine lebendige Praxis: nicht in der Flucht aus der Welt, sondern in der bewussten Verwandlung des eigenen Selbst innerhalb der Welt.

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