Freimaurerorden

Geschätzter Leser

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Die Themen in dieser Ausgabe:

Drei Fragen an:

Br. Michael Danisch

1. Was hat Dich zur Freimaurerei gebracht?
2. Welche Antworten gibt Dir die Freimaurerei?
3. Was hat die Freimaurerei mit Dir und Deinem Leben gemacht?

Standpunkt und Denkanstoß

Benutze ich die KI – oder benutzt sie längst mich?

Auf ein Wort

mit dem Freimaurerorden.

1953 in Hamburg geboren, führte Michael Danischs beruflicher Weg vom Bankkaufmann und Wirtschaftsinformatiker über Führungspositionen im Bankwesen in Hamburg, Frankfurt und New York bis in die Unternehmensberatung. Seit vielen Jahren ist er als selbstständiger Berater erfolgreich tätig.

Im Dezember 2005 wurde er in der Ordensloge „Zur Ceder“ in Hannover in den christlichen Freimaurerorden aufgenommen. Heute bekleidet er den X. Grad und hat zahlreiche Ämter in der Johannis- und Andreasloge ausgeübt. Derzeit wirkt er als Erster Abgeordneter Logenmeister und Redner in Hannover.

Für den verheirateten Vater zweier Kinder und Großvater dreier Enkel ist die intensive Beschäftigung mit den geistigen Grundlagen und ideellen Werten der Ordensfreimaurerei ein wertvoller Ausgleich zum Berufsleben – und zugleich eine Herausforderung, der er sich mit Freude stellt.

Der wohl wichtigste Effekt meiner freimaurerischen Wanderung ist die Wiederentdeckung der christlichen Lehre und dessen, was sie für jeden Einzelnen bieten kann, nämlich einen immensen Fundus an Anregungen. Das kommt zum einen meinen Vorträgen und Ausarbeitungen zugute, denn zu allen Aspekten insbesondere der Ordensfreimaurerei bieten die Bibel und christliche Gelehrte aller Epochen hinreichend Stoff. Für mich hat diese Auseinandersetzung mit dem Christentum im Bruderkreis einen besonderen Wert, weil sie konfessionsfrei erfolgen kann.

Br. Michael Danisch

Was hat Dich zur Freimaurerei gebracht?

Br. Michael Danisch

Zunächst einmal war ich neugierig. Ich hatte schon so manche geistige Anregung abseits der Tagesroutinen ausprobiert – Gastvorlesungen in Philosophie, im Besonderen mit Bezug auf Adorno und Habermas sowie Platons Politeia, und privat organisierte philosophische Gesprächskreise. Obwohl ich im entfernten Familienkreis mit einer Theologiestudentin und späteren Pastorin einen intensiven Gedankenaustausch pflegen konnte, überzeugte mich das kirchliche Angebot wenig. Stattdessen haben mich fernöstliche Geisteshaltungen fasziniert, insbesondere die Ausprägungen des Taoismus und seine Einflüsse auf die Lebensgestaltung des einzelnen Menschen.

In dieser Phase kam mir die Idee, mich auch einmal mit der Freimaurerei zu befassen. Ich wollte wissen, ob sie mir eine geistige Heimat bieten kann. Recht spontan und kurzfristig bot sich die Möglichkeit, einen Gästeabend der Loge „Zur Ceder“ zu besuchen. Ich war überrascht, mit welcher Neugier die Brüder an mich herantraten – es trafen sich meine Neugier und die der Brüder. An jedem Gästeabend gab es tiefgründige Gespräche, meist bis nach Mitternacht. Dabei waren die Gesprächsthemen sehr vielfältig und in keiner Weise eingeengt. Mein Geist war nach solchen Abenden aufgewühlt, sodass ich danach für ein, zwei Stunden in mich kehren und dem Erfahrenen nachspüren musste.

Schon nach kurzer Zeit war mir klar: Das ist meine Gemeinschaft, hier kann ich mich einbringen, hier werden alle meine Gedanken respektiert, aber auch geleitet. Der Weg war bereitet.

Welche Antworten gibt Dir die Freimaurerei?

Br. Michael Danisch

Schnell war mir klar: Mit einfachen Antworten ist es nicht getan, stattdessen: Rückfragen, Thesen, Antithesen, dialogische Behandlungen meiner Themen. Schließlich erkannte ich: Meine Fragen kann ich letztlich selbst beantworten.

Dem kommt der Aufbau unseres Ordens zugute, denn jeder Grad und jede Abteilung bietet jede Menge Stoff, den es zu ergründen gibt. Das macht es leicht, in die Tiefen der Ordenslehre vorzudringen – aber gibt es tatsächlich eine stringente, kodifizierte Ordenslehre, oder ist das, was der Orden bietet, nicht eher Hilfe und Leitlinie, sich selbst Gedanken zu machen und sich ein Wertegerüst zu schaffen, das der Zielsetzung des Ordens nahekommt? Wenn man so langsam in diese Mechanik hineinwächst, merkt man, wie logisch unser System aufgebaut ist.

Ich vergleiche die Bestimmung unseres Ordens gern mit einem (rechtwinkligen) Dreieck. Das Hypotenusenquadrat bildet die Johannisloge ab, die beiden Kathetenquadrate jeweils die Andreasloge und das Kapitel. Der Blick aus jedem Quadrat ist auf den Schnittpunkt der Winkelhalbierenden gerichtet. Dort findet sich unser Geheimnis und unsere Bestimmung, die reine Lehre Jesu Christi in all ihren Facetten. Auf sie blicken wir letztendlich in jeder Ordensabteilung, nur die Blickwinkel mögen andere sein.

Die Botschaft, die in unserem Orden vermittelt wird, ist die der Hoffnung. In uns glimmt ein Licht, der göttliche Funke. Selbst wenn wir in der Dunkelheit wandeln, ist er noch da, und es ist unser Anliegen, diesen zu entflammen. Trotz der Dunkelheit, in die wir gestellt sind, gibt es keinen Grund zu verzweifeln. Wir werden angehalten, auf unserem Weg beharrlich und standhaft voranzuschreiten und das Feuer in uns zu entfachen.

„Unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen. Darum kommt uns das Licht aus der Höhe zur Hilfe. Es leuchtet denen, die im Dunkel und im Schatten des Todes leben. Es lenkt unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ (Luk. 1, 78–79)

Ich war schon immer von der Kraft des Individuellen überzeugt, in der Freimaurerei wird mir das auf jeder Stufe bestätigt. Das Geheimnis, der Schlüssel für diesen Frieden, liegt in uns. Frieden in diesem Sinne bedeutet für mich so viel wie umfassendes Glück, Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, gelungenes Leben in gelungenen Beziehungen – zu sich selbst, zueinander, zur Umwelt und schließlich zu Gott.

Ein weiterer Aspekt, den ich für meinen freimaurerischen Weg reklamiere, ist, befähigt zu werden, „die Augen des Herzens“ zu öffnen, so wie uns Augustinus aufträgt: „Kehret zurück in euer Herz.“ (Augustinus, Vorträge über das Johannes-Evangelium, 18., 10. Abschnitt) Das Herz sieht und hört und beurteilt die übrigen, sinnlich wahrnehmbaren Dinge auf eine besondere Weise, insbesondere Gerechtes und Ungerechtes, Böses und Gutes, Lasterhaftigkeit und den Weg zur Tugendhaftigkeit.

Was hat die Freimaurerei mit Dir und Deinem Leben gemacht?

Br. Michael Danisch

Der wohl wichtigste Effekt meiner freimaurerischen Wanderung ist die Wiederentdeckung der christlichen Lehre und dessen, was sie für jeden Einzelnen bieten kann, nämlich einen immensen Fundus an Anregungen. Das kommt zum einen meinen Vorträgen und Ausarbeitungen zugute, denn zu allen Aspekten insbesondere der Ordensfreimaurerei bieten die Bibel und christliche Gelehrte aller Epochen hinreichend Stoff. Für mich hat diese Auseinandersetzung mit dem Christentum im Bruderkreis einen besonderen Wert, weil sie konfessionsfrei erfolgen kann. Die Ordensfreimaurerei begreife ich als ein Idealbild der Ökumene, als einen Weg zur Mitte des Glaubens und zur Wiederkehr von Religiosität, aber mit der Herausforderung, Glauben und vernunftgeleitetes Handeln nicht als Gegensatz zu begreifen, sondern im Gleichgewicht zu halten und in Versöhnung zusammenwirken zu lassen.

Die wohl wesentlichsten Punkte, an denen ich den Einfluss der Freimaurerei auf mich und mein Leben ausmache, sind die folgenden.

Verstärkung von Achtsamkeit – das Bemühen, wahrzunehmen, was wirklich geschieht – in mir, in meinen Mitmenschen, in meinem direkten Umfeld. Nicht Ablenkung, Angst oder Selbstbezug sollen mich leiten, sondern die Aufmerksamkeit für die Gegenwart soll vielmehr helfen, die jeweilige Situation angemessen zu beurteilen und zu handeln. Wer genauer wahrnimmt, kann besser unterscheiden, was in einer Situation wirklich gefordert ist. Achtsamkeit verstärkt das Vertrauen in mein Gegenüber, in mich und ebenso in Gott. Achtsamkeit im Jetzt soll nicht bedeuten, gleichgültig gegenüber der Zukunft zu sein, sondern maßvoll Sorge für die Zukunft zu tragen.

Wachsamkeit ist eine Konsequenz des achtsamen Agierens. Sie stellt für mich eine Facette der freimaurerischen Vorsichtigkeit dar. Im biblischen Sinne bedeutet Wachsamkeit, im Glauben und in der Liebe bereit zu sein, da niemand „weder Tag noch Stunde“ kennt, zu der wir dem Dreifach Großen Baumeister gegenüberstehen. Für Jesus ist nicht entscheidend, wann der Herr kommt, sondern ob er uns bereit vorfindet. Wenn wir unser Leben dem Streben nach Tugendhaftigkeit konkret und täglich in Beständigkeit widmen, wenn wir hoffnungsvoll nach vorn blicken, dann sind wir gewappnet. Es sind nicht die großen, effektheischenden Taten, die zählen, sondern die Bewährung im Alltag, in der Familie, in der Nachbarschaft, bei der Arbeit.

Als ein dritter Aspekt gilt für mich die Gelassenheit als Lebensprinzip. Entspannt zu sein und sich nicht stressen zu lassen, war schon immer meine Grundhaltung. Die Freimaurerei hat mich darin noch bestärkt:

  • Ich muss nicht immer und überall darüber nachdenken, wie ich mich und mein Wirken am besten „verkaufen“ kann;
  • ich muss nicht allein nach beruflichen Erfolgen und gesellschaftlicher Anerkennung hungern und dürsten, sondern kann von Tag zu Tag neu nach den Idealen, Hoffnungen und Visionen fragen, die mein Herz und meinen Verstand bewegen;
  • ich gewinne eine befreiende Distanz zu den Konventionen und vorgeblichen Sachzwängen, die unsere Rollen prägen;
  • ich kann beharrlich und friedvoll meine Ziele setzen und das Tempo der Zielerreichung selbst bestimmen.

Mir ist eine Aussage zur Freimaurerei besonders wichtig: Wir wollen die Welt nicht verändern! Denn ich selbst stehe im Fokus, nur ich, mein Weg, mein Wandel, meine Verbesserung. Und das ist der Schlüssel: Die menschliche Gemeinschaft gewinnt durch die Verbesserung des Einzelnen, indem er sich seiner Defizite und Schwächen bewusst wird und lernt, seine Stärken zum Wohle seines Umfelds auszubauen und zu nutzen. Dafür gilt es, das (göttliche) Feuer in sich zu entfachen und am Brennen zu halten. Augustinus hat das sehr pathetisch, aber zutreffend in Worte gefasst:

„Was für ein Feuer erwärmt doch mein Herz? Was für ein Licht bestrahlt mein Herz? O Du Feuer, das allezeit brennt, und nimmer verlischt, entzünde mich! O Du Licht, das allezeit leuchtet und nimmer verdunkelt wird, erleuchte mich! O, dass ich von Dir entzündet immer brennen möchte! Du heiliges Licht, wie brennst Du so lieblich! Wie leuchtest Du so heimlich! Wie entzündest und durchglühst Du so ganz erwünscht! Wehe denen, die nicht von Dir entzündet sind, die nicht von Dir erleuchtet werden, o Du wahrhaftiges Licht, das die ganze Welt erleuchtet, dessen Licht die Welt erfüllt!“ (Augustinus, Soliloquien – XXXIV.)

„KI formuliert für uns, denkt mit, entscheidet vor. Wunderbar! Aber wann wird aus einer Hilfe eine Abhängigkeit? Aus Bequemlichkeit Unfreiheit? Eine Frage, die wir aus der Suchthilfe kennen: Kann ich noch darauf verzichten?“

Denkanstoß: Wer denkt hier eigentlich für wen? KI, Abhängigkeit und die Freiheit des Menschen

von Br. Werner H. Heussinger, Landesgroßredner

Unsere Gedanken kommen künftig womöglich aus der Massenproduktion – wie Möbel von Ikea. Diesen durchaus verstörenden Vergleich zog der Historiker Yuval Noah Harari in einem Vortrag an der Universität Oxford im Mai 2026. Künstliche Intelligenz verändert nicht nur, wie wir arbeiten. Sie greift zunehmend in unser Denken, unsere Entscheidungen und sogar unsere Beziehungen ein.

Die eigentliche Gefahr? Nicht, dass Maschinen intelligenter werden. Sondern dass wir bequemer werden.

KI formuliert für uns, denkt mit, entscheidet vor. Wunderbar! Aber wann wird aus einer Hilfe eine Abhängigkeit? Aus Bequemlichkeit Unfreiheit? Eine Frage, die wir aus der Suchthilfe kennen: Kann ich noch darauf verzichten?

Für uns Freimaurer bekommt damit die Arbeit am rauen Stein eine überraschend aktuelle Bedeutung. Denn wer an sich selbst arbeiten will, muss zunächst selbst denken, hinterfragen, unterscheiden. Nicht jeder Gedanke ist wahr. Nicht jeder Impuls verdient Gehorsam. Und nicht alles, was technisch möglich ist, dient auch dem Guten.

Der christliche Gedanke der Freiheit und unser freimaurerischer Anspruch, bewusst an uns selbst zu arbeiten, erinnern uns daran: Der Mensch ist mehr als seine intellektuelle Leistungsfähigkeit. Seine Würde liegt nicht in seiner Produktivität, sondern in seinem Menschsein. In seiner Fähigkeit zu lieben, Verantwortung zu übernehmen und seinem Gewissen zu folgen.

Vielleicht ist die größte Herausforderung der KI also gar keine technische, sondern eine zutiefst menschliche.

Wir müssen nicht klüger werden als die Maschinen. Aber wir sollten darauf achten, dass wir selbstbestimmt bleiben.

Oder, ganz schlicht gefragt:

Benutze ich die KI – oder benutzt sie längst mich?

Podcast No. 1 – „Mensch und KI in der Demokratie“.
Teilen Sie gerne diesen interessanten Beitrag und freuen sich auf weitere, spannende Interviews. Schreiben Sie uns bei Fragen und Anregungen. Ihr Freimaurerorden.

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