Freimaurerorden

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Die Themen in dieser Ausgabe:

Drei Fragen an:

Br. Hans-Dieter Baller

1. Was hat die Freimaurerei mit Dir gemacht?
2. Welche Antworten gibt Dir die Freimaurerei?
3. Wie hat die Freimaurerei Dich und Dein Leben verändert?

Standpunkt und Denkanstoß

Drei Männer, eine Idee – die Anfänge der modernen Freimaurerei

Auf ein Wort

mit dem Freimaurerorden.

1951 in der Nähe von Heilbronn geboren, wuchs Hans-Dieter Baller in Schleswig-Holstein auf. Sein Vater, sein Großvater und sein Onkel waren Freimaurer. Eine Begegnung seines Vaters mit einem Freimaurer aus Kassel führte schließlich dazu, dass die Familie von der Ostsee nach Kassel zog, wo der Vater in das Büro des Freimaurerbruders eintrat.

Nach dem Abitur und einem Bauingenieurstudium in Braunschweig zog Br. Hans-Dieter Baller wieder nach Kassel. Dort arbeitet er seit 1980 als selbstständiger Statiker und Planer. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt seit dem Studium der konstruktiven Sicherung und Instandhaltung denkmalgeschützter Bausubstanz.

„Ein materielles Erbe und seine Botschaften an die Zukunft zu pflegen und zu erhalten, es aber auch für die Zukunft fit zu machen, ist eine Aufgabe, der wir uns ebenso beim immateriellen Erbe der Freimaurerei stellen müssen“, stellt er hierzu fest.

Im profanen Leben hat Br. Hans-Dieter Baller viele Aufgaben und Ehrenämter übernommen, zum Beispiel in der Kommunalpolitik, in kirchlichen Gremien und in der Denkmalpflege.

Auch im Freimaurerorden hat er seit 1973 zahlreiche Ämter bekleidet und Aufgaben erfüllt. Zurzeit ist er Kapitelmeister in Frankfurt und Mitglied des Ordensrates.

In seiner knapp bemessenen Freizeit reist er mit seiner Frau im Wohnmobil durch europäische Länder oder genießt seinen großen Garten – am liebsten gemeinsam mit Freunden bei einem Glas Wein.

Das habe ich immer als die große Besonderheit der Freimaurerei empfunden: dass sie mir einen Weg zwischen zwei Leitplanken vorgibt, einen Weg, der mal breiter und mal schmaler ist. Aber gehen muss ich den Weg immer selber, teilweise allein, teilweise mit treuen Gefährten, den Brüdern.

Br. Hans-Dieter Baller

Was hat die Freimaurerei mit Dir gemacht?

Br. Hans-Dieter Baller

Der Freimaurerei verdanke ich drei Leitmotive:

1. Ich bin für mich selbst verantwortlich, ich habe alles selbst mit Gewissen und Vernunft zu prüfen.

2. Ich bin nicht mehr oder weniger wert als jeder andere Mensch auch, habe nicht mehr oder weniger Rechte und Würde als jeder andere, denn jeder ist mein Bruder oder meine Schwester

3. Die Erkenntnis der göttlichen Gnade gibt mir das, was Luther als „Freiheit eines Christenmenschen“ bezeichnet: Ich bin niemandes Knecht und jedermanns Untertan. (Um diese verkürzte Form zu gebrauchen.)

Natürlich kann man diese Leitmotive auch ohne Freimaurerei haben, aber unsere Lehrmethode gibt einem die Hilfestellung, sie zu verstehen, zu üben und zu leben.

Welche Antworten gibt Dir die Freimaurerei?

Br. Hans-Dieter Baller

Zuerst hilft sie, Fragen zu formulieren und zu stellen:

Wer bin ich? Was ist meine Aufgabe in der Welt? Aber auch die Frage nach dem, was bleibt und was kommt, wenn das Leben zu Ende ist.

Und zu diesen Fragen gibt mir die Freimaurerei Hinweise, wie ich die Antworten suchen sollte.

Das habe ich immer als die große Besonderheit der Freimaurerei empfunden: dass sie mir einen Weg zwischen zwei Leitplanken vorgibt, einen Weg, der mal breiter und mal schmaler ist. Aber gehen muss ich den Weg immer selber, teilweise allein, teilweise mit treuen Gefährten, den Brüdern.

Aber ich bin es, der jeden Morgen aufstehen und sich auf den Weg machen muss, um am Ende, im Ziel, sagen zu können:

Es war nicht alles gut, aber ich habe mich bemüht.

Die Antworten der Freimaurerei bestehen aus Hinweisen, wo ich Hinweise suchen kann: Philosophie, Religion, Geschichte, Naturwissenschaft und die schönen Künste öffnen sich hierzu, wenn man kritisch und nachfragend bleibt.

Wie hat die Freimaurerei Dich und Dein Leben verändert?

Br. Hans-Dieter Baller

Für mich gab es fast kein Leben vor der Freimaurerei. Insofern ist die Frage schwierig bzw. kann nur hypothetisch beantwortet oder umformuliert werden:

Wie wäre dein Leben verlaufen, wenn du nicht schon als Kind mit der Freimaurerei in Berührung gekommen und nicht mit 22 Jahren in den Orden aufgenommen worden wärst?

Es wäre mit Sicherheit hedonistischer und egoistischer. Wahrscheinlich wären meine sozialen Kontakte mehr auf Leichtigkeit und Frohsinn ausgelegt.

In Situationen, in denen andere auf den Tisch hauen würden, versuche ich, mich zurückzunehmen, weil ein Freimaurer zivilisiertere Methoden kennen sollte.

Da ich auch im öffentlichen Leben und im Beruf nie einen Hehl aus meiner Mitgliedschaft gemacht habe, versuche ich auch, entsprechend aufzutreten, was durchaus von Zeit zu Zeit bemerkt wird.

Und das Wissen und die Erkenntnisse, die mir die Freimaurerei über die Jahre vermittelt hat, geben mir eine gewisse Gelassenheit, wenn ich über den eigenen Tod nachdenke. Nicht im Sinne von Fatalismus, sondern im Sinne des Todes als Ziel, das den irdischen Weg bewusst abrundet, schließt und vollendet.

„Vielleicht liegt gerade darin die zeitlose Botschaft der Freimaurerei: Nicht die Vollkommenheit macht den Menschen aus, sondern die Bereitschaft, an sich zu arbeiten – und den Weg selbst als Teil des Zieles zu begreifen.“

Denkanstoß: Drei Männer, eine Idee – die Anfänge der modernen Freimaurerei

von Br. Werner H. Heussinger, Landesgroßredner

Am Beginn der modernen Freimaurerei stehen drei Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten: ein Prediger, ein Naturforscher und ein einflussreicher Adliger. Gerade diese ungewöhnliche Verbindung macht deutlich, wofür die Freimaurerei bis heute stehen kann: für das Zusammenführen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, geistiger Traditionen und Weltanschauungen.

Als sich 1717 vier bereits bestehende Londoner Logen zu einer Großloge zusammenschlossen, prägten vor allem James Anderson und John Desaguliers deren geistige Grundlagen. Anderson, ein schottisch-presbyterianischer Prediger, gilt als offizieller Verfasser der sogenannten „Alten Pflichten“. Diese 1723 veröffentlichten Regeln wurden zu einer wesentlichen Grundlage der Freimaurerei und besitzen bis heute große Bedeutung. John Desaguliers soll Anderson bei ihrer Abfassung maßgeblich unterstützt haben.

Schon die Verbindung dieser beiden Persönlichkeiten ist bemerkenswert: Hier der Geistliche, dort der Naturforscher. Religion und Wissenschaft erscheinen nicht als unversöhnliche Gegensätze, sondern als unterschiedliche Wege der Erkenntnis.

Desaguliers verkörperte diese Verbindung sogar in seiner eigenen Person. Er war nicht nur Geistlicher der anglikanischen Kirche, sondern zugleich ein angesehener Wissenschaftler. Für seine Forschungen zur Elektrizität wurde er von der Royal Society ausgezeichnet. Zudem war er mit Isaac Newton befreundet und unterstützte ihn bei seinen Experimenten.

Ergänzt wurde dieses ungewöhnliche Gründerbild durch John, Herzog von Montagu. Er gehörte zu den reichsten und einflussreichsten Männern Englands, war Mitglied der Royal Society und wurde der erste adlige Großmeister der englischen Freimaurer. Mit ihm erhielt die junge Großloge gesellschaftliches Gewicht und öffentliche Anerkennung.

Ein Geistlicher, ein Forscher und ein Adliger stehen somit sinnbildlich am Anfang des bis heute bestehenden Großlogensystems. Ihre Zusammenarbeit überwand Standesgrenzen und vermeintliche Gegensätze. Sie wirkt beinahe wie ein programmatischer Entwurf für eine Gemeinschaft, in der Herkunft, Beruf und Weltanschauung nicht trennen müssen.

Passend dazu warnen die „Alten Pflichten“ sowohl vor engstirnigem Gottesleugnen als auch vor einem bedingungslosen Freigeist. Gemeint ist kein fertiges Weltbild, sondern die Bereitschaft, selbstständig zu denken, andere Überzeugungen zu achten und die eigene Haltung immer wieder zu überprüfen.

Denn aus freimaurerischer Sicht ist die Entwicklung eines Menschen niemals abgeschlossen. Das Ideal bleibt ein Ziel, dem man sich Schritt für Schritt nähert. Vielleicht liegt gerade darin die zeitlose Botschaft der Freimaurerei: Nicht die Vollkommenheit macht den Menschen aus, sondern die Bereitschaft, an sich zu arbeiten – und den Weg selbst als Teil des Zieles zu begreifen.

Podcast No. 1 – „Mensch und KI in der Demokratie“.
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