
Freimaurerorden
Sie lesen hier den aktuellen Newsletter zur Homepage der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland.
Die Themen in dieser Ausgabe:
Drei Fragen an:
Br. Boris Kosak
1. Wie bist Du zur Freimaurerei gekommen?
2. Was ist für Dich das Wichtigste als Freimaurer?
3. Wie hat die Freimaurerei Dich und Dein Leben verändert?
Standpunkt und Denkanstoß:
Verschwörungstheorien und Freimaurer
mit dem Freimaurerorden.

Bruder Boris Kosak wurde 1970 geboren und lebt in Hamburg. Er ist Vater von zwei Kindern. Er studierte Philologie und Musikwissenschaft an der Universität zu Köln sowie Komposition und Elektronische Komposition an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Seit vielen Jahren arbeitet er freischaffend als Komponist, Pianist und Konzertveranstalter.
Seine künstlerische Arbeit kreist um Melodie, Erinnerung, Stille und innere Bewegung. Unter dem Leitgedanken „Melodien, die erzählen“ entwickelt er Konzertformate, in denen eigene Klaviermusik, persönliche Gedanken und eine konzentrierte Atmosphäre zusammenfinden. Musik versteht er dabei nicht nur als ästhetische Form, sondern als Möglichkeit, Unsichtbares hörbar zu machen.
Am 1. September 2017 wurde Br. Boris Kosak in die Johannisloge „Zum Rothen Adler“ in Hamburg aufgenommen. Seit Mai 2019 dient er seiner Loge als Redner.
Seine Interessen gelten neben der Musik besonders der christlichen Theologie, Religionswissenschaft, Mystik, Literatur und Sprache. Er liest leidenschaftlich, versteht acht Sprachen und tanzt seit über 30 Jahren Salsa.
Br. Boris Kosak

Br. Boris Kosak
Mein Weg zur Freimaurerei war kein Zufall, aber auch kein theoretischer Entschluss. Er war länger vorbereitet — durch Fragen, durch Musik, durch den christlichen Glauben und durch die Suche nach einer Form, in der das Geistige gelebt werden kann.
Religiöse, philosophische und theologische Fragen haben mich schon sehr früh begleitet. Bereits mit fünfzehn oder sechzehn Jahren führte ich mit einem engen Freund, dem Sohn eines Priesters, lange Gespräche über Gott und die Welt. Wir lasen anspruchsvolle Literatur, sprachen über Glauben, Sinn, Wahrheit und über das, was hinter der sichtbaren Oberfläche des Lebens liegt. Diese frühen Gespräche haben etwas in mir geöffnet, das geblieben ist.
Später traten andere Dinge in den Vordergrund: Musik, Studium, Komposition, Konzerte, Beruf, Existenz. Aber die Suche selbst verschwand nicht. Sie wurde manchmal leiser, blieb aber im Hintergrund wirksam. Rückblickend habe ich den Eindruck, dass manches im Menschen erst reifen muss, bevor es wirklich fruchtbar werden kann.
Als ich 2016 von Köln nach Hamburg zog, hatte ich Konzerte im Mozartsaal. Dabei wurde mir bewusst, dass dieses Haus nicht nur ein Konzertort ist, sondern ein Logenhaus, in dem viele Logen arbeiten. Das hatte für mich etwas von Fügung. Ich musste die Freimaurerei nicht suchen wie eine ferne Idee; ich stand gewissermaßen schon in ihrem Raum.
Diese äußere Begegnung traf auf einen inneren Boden, der längst vorbereitet war. Als Komponist und Pianist arbeite ich seit jeher mit Form, Stille, Symbol und inneren Bildern. Musik kann Unsichtbares hörbar machen. Sie kann etwas berühren, das sich nicht einfach definieren lässt: Erinnerung, Sehnsucht, Trost, manchmal auch eine Ahnung des Sakralen.
So stellte sich für mich immer deutlicher die Frage: Gibt es auch für das geistige Leben eine Form, in der das Unsichtbare Gestalt gewinnt? Eine Form, in der Glaube, Selbstprüfung, Brüderlichkeit und Arbeit am eigenen Herzen nicht abstrakt bleiben?
In der christlichen Freimaurerei fand ich einen solchen Zugang. Sie schafft einen Raum, in dem Symbol, Ritual, Stille, brüderliche Begegnung und persönliche Selbstprüfung zusammenkommen. Gerade diese Verbindung von äußerer Form und innerer Arbeit — von Ordnung, Betrachtung und geistiger Ausrichtung — hat mich angesprochen.
So habe ich angeklopft — mit dem Gefühl, dass dieser Weg zu meinen künstlerischen, geistigen und christlichen Fragen gehört.

Br. Boris Kosak
Freimaurerei ist für mich vor allem ein Weg der inneren Arbeit — ein Weg, der lebendig bleibt, solange ich ihn wirklich gehe.
Im christlichen Sinn gehört dazu Glaube, Vertrauen, Umkehr, Wahrhaftigkeit und Herzensbildung. Gott ist unendlich; deshalb ist auch die Annäherung an ihn nie abgeschlossen. Ich bin nicht fertig, weil ich in eine Loge aufgenommen wurde. Im Gegenteil: Ich werde immer wieder auf mich selbst zurückgeführt — auf eigene Schwächen, auf Eitelkeit, Ungeduld, Rechthaberei, aber auch auf die Möglichkeit, klarer, brüderlicher und wahrhaftiger zu werden.
Eine der schwersten Aufgaben ist für mich die Liebe im christlichen Sinn: die Agape. Sie ist kein bloßes Gefühl und keine bequeme Nachgiebigkeit. Sie ist eine geistige Haltung. Sinngemäß mit Isaak dem Syrer gesprochen: Es geht darum, den Abgrund des anderen wahrzunehmen, ohne ihn vorschnell zu verurteilen. Gerade deshalb gehören zur Liebe auch Klarheit, Widerspruch, Grenzen und Verantwortung. Die eigentliche Arbeit beginnt dort, wo ich dem anderen widerspreche, ohne ihn innerlich zu verwerfen.
Als Künstler kenne ich die Gefahr, stark um Wirkung, Anerkennung und äußere Resonanz zu kreisen. Die Freimaurerei erinnert mich daran, dass der Mensch nicht nur nach außen wirken, sondern innerlich gebaut werden muss. Das Bild des Bauens ist für mich deshalb wesentlich. Entscheidend ist nicht der Schein der Vollkommenheit, sondern die Bereitschaft, nicht roh zu bleiben und die Orientierung auf das Höchste nicht zu verlieren.
Brüderlichkeit wird für mich in der Loge zur konkreten Übung. In der Loge begegne ich Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen, Berufen, Temperamenten und Meinungen. Trotzdem stehen wir gemeinsam in einer Ordnung, in einem Ritual, in einer Arbeit. Gerade in einer Zeit, in der viele gesellschaftliche Räume schnell in Lager, Empfindlichkeiten und Rechthaberei zerfallen, ist das von großem Wert.
Die christliche Freimaurerei stärkt meinen Glauben, indem sie ihm eine zusätzliche Form gibt: eine Form der Sammlung, der Prüfung und der Einübung. Sie hilft mir, christliche Grundhaltungen — Demut, Bruderliebe, Wahrhaftigkeit, Dienst und Arbeit am eigenen Herzen — nicht nur zu bedenken, sondern im Alltag ernster zu nehmen.

Br. Boris Kosak
Die Freimaurerei hat mich nicht plötzlich zu einem anderen Menschen gemacht. So geschieht geistige Veränderung selten. Sie hat eher manches, was in mir schon angelegt war, bewusster, geordneter und verbindlicher werden lassen.
Als ich einmal angekommen war, habe ich mich erstaunlich schnell zu Hause gefühlt. Ich habe Brüder gefunden, mit denen ich mich menschlich und geistig tief verbunden fühle. Das war für mich wichtig. Denn Freimaurerei besteht nicht nur aus Symbolen, Ritualen und Texten. Sie lebt durch wirkliche Begegnung.
Viele Gespräche, manchmal bis tief nach Mitternacht, haben mir eine neue Welt eröffnet. Nicht als Flucht aus dem Alltag, sondern als Vertiefung des eigenen Lebens. Ich begegne dort Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, aber oft mit einer ähnlichen Ernsthaftigkeit. In solchen Gesprächen entstehen Fragen, die im Alltag selten so offen gestellt werden: Was trägt den Menschen? Wie bleibt der Mensch wahrhaftig? Wie gehen wir mit Schwäche, Verantwortung, Glauben, Zweifel und Hoffnung um?
Auch meine Sicht auf Musik ist durch die Freimaurerei klarer geworden. Meine künstlerische Arbeit kreist um Melodie, Erinnerung, Stille und innere Bewegung. Mein Leitgedanke lautet: „Melodien, die erzählen“. Eine Melodie ist für mich nicht nur eine schöne Tonfolge. Sie ist ein Weg. Sie führt den Menschen durch eine innere Landschaft. Sie kann etwas aussprechen, wofür Worte oft zu direkt oder zu begrenzt sind.
Durch die Freimaurerei habe ich deutlicher verstanden, dass auch Symbole, Rituale und brüderliche Begegnungen solche Wege eröffnen können. Nicht alles Wesentliche geschieht durch Erklärung. Vieles muss betrachtet, wiederholt, geprüft und im eigenen Leben langsam wirksam werden.
Ein Konzert, ein Ritual, ein Gebet oder eine stille Betrachtung sind unterschiedliche Formen. Aber sie können etwas Gemeinsames bewirken: Sie können den Menschen aus der Zerstreuung herausführen, ihn sammeln, ihn wacher machen und ihn auf den Schöpfer hin öffnen.
Im Alltag gibt mir die Freimaurerei Maß und Orientierung. Sie erinnert mich daran, dass geistiges Leben konkrete Arbeit verlangt: am eigenen Wort, am eigenen Verhalten, an der Fähigkeit zuzuhören, an der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
von Br. Werner H. Heussinger, Landesgroßredner

Weltverschwörung, dunkle Rituale, Teufelskult – die Liste der Vorwürfe gegen Freimaurer ist lang und hartnäckig. Doch woher kommen diese Vorurteile wirklich?
Kaum eine gesellschaftliche Gruppe ist so sehr mit negativen Klischees belastet wie die Freimaurer – und das ganz besonders in Deutschland. Quer durch alle Bildungsschichten und Milieus hält sich das Bild vom gefährlichen Geheimbündler, der finstere Ziele verfolgt. Selbst in den oberen Etagen von Medien und Öffentlichkeit hat dieses Zerrbild überlebt.
Die Wurzel dieser Ressentiments liegt zu einem großen Teil in der nationalsozialistischen Propaganda – und die meisten, die heute noch davon beeinflusst sind, wissen es schlicht nicht. Die NS-Propaganda hat sich tief in Gesellschaft und Kultur eingebrannt.
Es ist kein Zufall, dass es Freimaurerei nur dort gibt, wo eine freie Gesellschaft besteht. Diktaturen und Fundamentalismus vertragen sich grundsätzlich nicht mit dem maurerischen Gedankengut. In den Logen begegnen sich Menschen, die sich im Alltag wahrscheinlich nie über den Weg gelaufen wären – und werden zu Brüdern. Mancher spricht von einem »Kitt«, der Verschiedene wirklich zusammenfügt.
Nicht umsonst stellte der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler (†) am 15. Dezember 2008 bei einem Treffen mit führenden Freimaurern auf Schloss Bellevue fest: »Die Freimaurerei hat einen festen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft.«
Drei Prämissen tragen diesen Brückenbau: Alle Menschen sind gleichwertig. Alle Menschen sind Brüder und Schwestern. Alle Menschen müssen frei sein. Wer diesen Grundsätzen folgt, kann kein Extremist sein – und ein Extremist kann kein echter Freimaurer sein. Das ist keine fromme Hoffnung, sondern eine logische Konsequenz.
Freimaurer sind in aller Regel idealistische Menschen, die vor allem an sich selbst arbeiten wollen. Wer wirren Ideologien folgt oder sich einer Diktatur unterwirft, hat das maurerische Prinzip bereits verlassen. Fanatiker können per se keine echten Freimaurer sein – und das sollte auch demjenigen zu denken geben, der noch immer an das Schreckensbild glaubt.

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