
Freimaurerorden
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der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland.
Die Themen in dieser Ausgabe:
Drei Fragen an Br. Dieter Boysen
1. Was hat Dich zur Freimaurerei gebracht?
2. Was ist für Dich das Wichtigste als Freimaurer?
3. Wie hat die Freimaurerei Dich und Dein Leben verändert?
Standpunkt und Denkanstoß
Freiheit ist eine innere Aufgabe
mit dem Freimaurerorden.

Dieter Boysens Weg begann im kleinen Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Als Sohn eines Bäckermeisters schien seine berufliche Laufbahn zunächst vorgezeichnet. Doch sein Drang nach Wissen und Weiterentwicklung führte ihn vom Groß- und Außenhandelskaufmann über ein BWL-Studium in Kiel zum Studium der Wirtschaftspädagogik in München und Hamburg, das er mit dem Zweiten Staatsexamen in Hamburg abschloss.
Sein Weg der Selbsterkenntnis hat bis heute nicht aufgehört. Dieter Boysen schätzt den Blick für das „Große Ganze“ ebenso wie wissenschaftliche Fakten. Eine Heilpraktiker-Ausbildung in Hamburg mit Abschluss war für ihn die logische Konsequenz. Nach einer 10-jährigen Selbständigkeit als Heilpraktiker nahm sein Leben eine erneute Wendung und mit 48 Jahren fand er seine Bestimmung in der Ausbildung junger Menschen als Berufsschullehrer. Als Studienleiter in der Ausbildung junger Lehrer, als Lerncoach für Schüler und Schülerinnen, als Didaktischer Trainer und Coach für Lehrer konnte er die Kenntnisse aus seinen Selbsterfahrungen und als Heilpraktiker ganzheitlich einbringen. Bis zu seiner Pensionierung erfüllte ihn diese Aufgabe sehr. Bis heute ist er als Dozent in der beruflichen Fortbildung tätig.
Seit 2013 ist er Mitglied im Freimaurerorden und gewählter Logenmeister der Johannisloge Nordstern in Rendsburg.
Br. Dieter Boysen

Br. Dieter Boysen
Mein Antrieb war die Suche nach einem tieferen Verstehen des menschlichen Daseins, nach dem Sinn des Lebens und mein tiefes Bedürfnis nach Selbsterkenntnis. Meine Weltsicht hat sich über Jahrzehnte durch die intensive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lehrsystemen geformt. Diese Einflüsse begreife ich nicht als isolierte Disziplinen, sondern als Bausteine einer ganzheitlichen Lebensphilosophie. Mein Weltbild hat sich von einer rein kausalen Betrachtungsweise hin zu einem analogen Verständnis entwickelt. Den entscheidenden Anstoß für die Freimaurerei gab schließlich ein Freund in Kiel, der mich in einen philosophischen Gesprächskreis der Ordensloge „Alma an der Ostsee“ einlud. Dort fand ich Menschen, die sich ebenfalls mit ähnlichen Fragen des Lebens beschäftigen. Im März 2013 folgte die Aufnahme in die Bruderschaft.

Br. Dieter Boysen
Das Fundament meiner freimaurerischen Arbeit ist die Verknüpfung von Symbolen, Ritualen und universellen Gesetzen. Besonders wichtig sind für mich:
– Das Höhere Prinzip: Die Anerkennung einer schöpferischen Macht als Basis unserer Existenz.
– Die Hermetik: Die Anwendung und Verknüpfung der freimaurerischen Lehre mit den kosmischen Gesetzen des Hermes Trismegistos, insbesondere das Prinzip „Wie innen, so außen“, das mir als Kompass für die Lebensgestaltung dient.
– Die Analogie: Das Denken in Symbolen und Metaphern, die mir als Brücke zwischen der rationalen Welt und der spirituellen Ebene dienen.
– Das Herz als Zentrum: Die Erkenntnis, dass das Herz das Zentrum des irdischen Seins ist und der Weg zurück in die Einheit nur über das Herz gelingen kann.

Br. Dieter Boysen
Die Freimaurerei hat meine Sichtweise von einer rein kausalen hin zu einer analogen Betrachtungsweise weiter befördert. Durch die Arbeit mit den Symbolen und Ritualen habe ich gelernt, mein Leben als steten Spiegel meines Inneren zu begreifen. Diese Form der Selbsterkenntnis ermöglicht es mir heute, aus dem Herzen, aus der Liebe heraus zu handeln und mein Inneres so zu pflegen, dass negative innere und äußere Einflüsse meine Sicht auf mich und meine Mitmenschen nicht mehr so leicht trüben. Dadurch hat sich meine Einstellung zum Leben stark verändert.
Mittlerweile betrachte ich das Leben als Geschenk und bin dankbar für die vielen positiven Begegnungen und Erfahrungen in meinem Leben. Die Freimaurerei hilft mir, meine unterschiedlichen Seiten zu einer Einheit zu formen und meinen vielseitigen Lebensweg in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Auf dem Weg, meinen inneren Frieden zu finden, bin ich ein gutes Stück vorangekommen.
von Br. Werner H. Heussinger, Landesgroßredner

Eine Gesellschaft freier und mündiger Bürger steht stets unter dem Druck zweier gegenläufiger Kräfte, die ihren Zusammenhalt gefährden: auf der einen Seite die Auflösung in eine Vielzahl von Einzelinteressen, auf der anderen die Erstarrung in monolithischen Blöcken gleichförmigen Denkens und Handelns. Zwischen diesen Polen kommt es entscheidend darauf an, aus freiwillig übernommener Verantwortung und selbstgewählter Disziplin heraus einen Beitrag zu Toleranz, Brüderlichkeit und Humanität zu leisten – und damit zur geistigen Ordnung einer freiheitlichen Gesellschaft.
Es ist keineswegs übertrieben, hier von einer echten Herausforderung für unsere Bewusstseins- und Persönlichkeitsentwicklung zu sprechen. Denn die Zukunft unserer Gesellschaft entscheidet sich nicht zuletzt an jenen scheinbar harmlosen Selbstverständlichkeiten, die längst zu Leitformeln geworden sind: Alles wird digitalisiert, was digitalisierbar ist, und alles wird automatisiert, was automatisierbar ist. Technischer Fortschritt mag unvermeidlich sein; die Frage bleibt jedoch, ob der Mensch mit ihm innerlich Schritt hält.
Gerade hier kann die Freimaurerei eine besondere Orientierung bieten. Sie ist gewissermaßen eines der ältesten und zugleich zugänglichsten Programme der Persönlichkeitsbildung – kein kurzfristiger Kurs, sondern ein lebenslanger Weg. Freimaurerlogen waren seit jeher Orte des freien, ungezwungenen und zugleich verantwortungsvollen Austauschs. Denn die Einsicht, dass sich ein freier Geist nur in einer freien Gesellschaft entfalten kann, ist nicht neu. Neu ist allenfalls die Dringlichkeit, sich ihrer immer wieder bewusst zu werden.
Zu den zentralen Anliegen der Freimaurerei gehört deshalb die Arbeit am Menschen – jedoch nicht im Sinne fremder Formung, sondern als Anstoß zur Selbstformung. Die Freimaurerei verändert den Menschen nicht; sie reicht ihm Werkzeuge zur Selbsterkenntnis und Selbstverbesserung. Vorausgesetzt ist der freie Mensch, an den sie anknüpft. Was daraus wird, liegt in seiner eigenen Verantwortung.
Vielleicht ist sie gerade deshalb eines der erfolgreichsten Netzwerke der Weltgeschichte: weil sie nicht auf Gleichschaltung zielt, sondern auf innere Reifung. Freiheit, Toleranz, Humanität und Menschlichkeit sind in diesem Verständnis keine abstrakten Ideale, sondern Grundpfeiler individuellen Handelns. Der bewusste Gebrauch geistiger Werkzeuge eröffnet dem Menschen nicht nur neue Horizonte im Blick auf seine Umwelt, sondern auch tiefere Einsichten in sich selbst.
Letztlich spricht die Freimaurerei etwas an, das im Menschen ungebrochen lebendig ist: die Neugier auf sich selbst, auf den Mitmenschen und auf die Welt. Denn nur ein freier Geist vermag sich umzusehen und das zu erkennen, was ist. Wer Freiheit sät, wird Demokratie ernten.
Winston Churchill, einer der bedeutendsten britischen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts und ebenfalls Freimaurer, hat über die Demokratie den berühmten Satz gesagt: „Niemand behauptet, dass die Demokratie perfekt ist. Es ist immer wieder gesagt worden, dass die Demokratie die schlechteste Form der Regierung ist – ausgenommen all die anderen Formen, die von Zeit zu Zeit versucht worden sind.“ (Churchill, Winston: »Complete speeches, 1897–1963«, Vol. VII, 1943–1949, ed. by Robert Rhodes James, New York-London, 1974, S. 7566)

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