
Freimaurerorden
Sie lesen hier den aktuellen Newsletter zur Homepage der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland.
Die Themen in dieser Ausgabe:
Drei Fragen an:
Br. Martin Krussek
1. Wie bist Du zur Freimaurerei gekommen?
2. Was ist für Dich das Wichtigste als Freimaurer?
3. Wie hat die Freimaurerei Dich und Dein Leben verändert?
Standpunkt und Denkanstoß
Demokratie, Freimaurerei und die Arbeit am Menschen
mit dem Freimaurerorden.

Br. Martin Krussek wurde 1979 in Kiel geboren und lebt mit seiner Familie (zwei Kinder, Ehefrau und Hund) in der Nähe seines Geburtsortes. Er wurde im Jahr 2016 in die Johannisloge Alma an der Ostsee zu Kiel aufgenommen. Im März 2026 wurde er zum neuen Wortführenden Andreasmeister der Andreasloge Fortunata zu Kiel gewählt. In der Freimaurerischen Forschungsloge Frederik war er zunächst Sekretär. Seit 2025 ist er 2. Vorsitzender.
Beruflich ist der grundständig studierte Pädagoge in der Lehrerausbildung an Hochschulen, sowie in der Beratung und Erstellung psychologischer Gutachten im ASS – Spektrum tätig. Privat ist Br. Martin ein leidenschaftlicher Opernliebhaber (Wagnerianer) mit zusätzlichem Hang zu klassischem Rock´n Roll und einer Schwäche für Van Morrisson. Er ist Sportschütze und Filmliebhaber des Westerngenres. Wenn es die Zeit erlaubt, ist ein gutes Buch oder intensive Gespräche mit Freunden (und Brüdern) ein lohnenswerter Zeitvertreib.
Br. Martin Krussek

Br. Martin Krussek
Es gab im Wesentlichen drei Begebenheiten in meinem Leben, die mich zur Freimaurerei und in letzter Konsequenz zum Orden geführt haben.
Meinen ersten Kontakt zu einer Freimaurerloge hatte ich im Jahr 2002 in Lerwick auf Shetland, wo ich damals als assitant teacher an der Anderson High School tätig war. Da das Lehrdeputat nur 12 Stunden umfasste, hatte ich einige Nebenjobs und jobbte nebenbei am Hafen und auf Baustellen. Eine dieser Baustellen war die nördlichste Loge Englands. Wir setzten ein dreieckiges Dachstuhlfenster in das Logenhaus ein.
Mein Interesse war geweckt und dann passierte sehr viel Leben in dessen Trubel ich dieses Interesse wieder verlor. Ich sollte es erst 2014 wiederentdecken als ich von einem Bekannten erfuhr, dass er Freimaurer sei und es in Kiel tatsächlich auch Freimaurer gäbe.
Die dritte und Wirkmächtigste Begebenheit auf meinem Weg zum Orden war meine Frau, die mir verordnete, dieser Schritt würde mir gut tun. Ihr bin ihr sehr dankbar für ihre Unterstützung speziell in dieser Sache.
Es folgten die in dieser Phase üblichen Gespräche, gefolgt von einem ca. einjährigen Besuch des Interessiertenkreises der Alma an der Oststee. Meine Grundhaltung war zunächst reine Skepsis und mein erklärtes Ziel war es, diese verklärte Vereinigung für mich der Nutzlosigkeit zu überführen. Ich sollte eines Besseren belehrt werden!
Im Mai 2016 wurde ich dann in der Alma an der Ostsee aufgenommen und bin dem dreifach großen Baumeister bis heute mehr als dankbar für dieses augen- und herzöffnende Erlebnis.

Br. Martin Krussek
Alles! Aber die Essenz aus all unseren rituellen Handlungen und den daraus entstehenden Erkenntnissen ist die Tat. „ An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“ (1. Johannes 2,1-6).
Die Loge gibt mir den Raum zur Erkenntnis und die Freiheit im Verborgenen, im Sinne von „im geschützten Raum“ zu reflektieren. Der geschlossene Ordensaufbau erlaubt einen zirkulären Fluss dieser Reflexion.
Der menschliche, größtenteils ehrliche Umgang unter Brüdern darf nicht unerwähnt bleiben. Dieser beinhaltet auch das Lernen an den Brüdern, auch wenn dies beizeiten auf die eigenen Unzulänglichkeiten zurückwirft. Die Loge ist ein Kind ihrer Zeit und ein Charakter – Querschnitt der Gesellschaft in der sie stattfindet. Gott und der christliche Glaube machen aber unabhängig von Zeitgeistesgestörtheiten ein Wachsen am Orden möglich, welches eine Chance hat, das Herz eines Mannes zu berühren und ihn damit von innen heraus zu verändern.

Br. Martin Krussek
Ich habe bisher von niemandem den vielzitierten Satz gehört, ich hätte mich ja so positiv verändert seit dem ich Freimaurer bin. Dennoch habe ich das und es ist auch richtig, dass ich es selbst zuerst bemerke.
Ich bin weniger zynisch und weniger misstrauisch. Ich kann Menschen besser leiden und verstehen und akzeptieren, dass alles seine Zeit und seinen Sinn hat.
Kurzum: Ich bin ein zufriedenerer und gottergebenerer Mensch geworden. Der Weg der noch zu gehen sein wird ist noch sehr lang und steinig, aber ich fühle mich dafür durch meine Familie und den Orden gerüstet.
von Br. Werner H. Heussinger, Landesgroßredner

Demokratie ist anstrengend. Sie dampft, qualmt, rüttelt und lärmt. Sie ist kein stiller Raum der vollständigen Einigkeit, sondern ein lebendiger Ort der Reibung. Demokratie ist unbequem, weil sie uns etwas abverlangt: die Achtung vor der Meinung des anderen — gerade dann, wenn sie der eigenen widerspricht. Meinungsfreiheit gehört nicht zufällig zu den Grundrechten einer demokratischen Ordnung. Sie ist nicht bloß ein juristisches Prinzip, sondern eine innere Haltung. Wer Demokratie ernst nimmt, muss zuhören können. Er braucht Geduld, Verständnis, die Fähigkeit zur Unterscheidung und den Mut, Entscheidungen zu treffen.
Demokratie lebt davon, dass widersprüchliche Meinungen nicht nur geduldet, sondern ausgehalten werden. Sie verlangt die Bereitschaft, dem anderen nicht sofort Feindschaft zu unterstellen, nur weil er anders denkt. Gerade darin zeigt sich ihre Reife. Eine falsch verstandene Sehnsucht nach Harmonie kann hingegen gefährlich werden. Wo alle einer Meinung sein sollen, entsteht nicht Frieden, sondern Enge. Aus dem Wunsch nach Meinungsgleichheit kann schnell eine monopolistische öffentliche Meinung erwachsen — und mit ihr die Unterdrückung jener, die anders denken. Eine Demokratie, die keine Reibung mehr zulässt, verliert ihre Seele.
Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Freimaurerei eine besondere Bedeutung. Jede Generation muss sie für sich neu entdecken. Jede Zeit bringt ihre eigenen Fragen, Konflikte und Herausforderungen hervor — und jede Generation sucht auf ihre Weise nach Antworten. Die Freimaurerei bietet keine einfachen Lösungen und keine fertigen politischen Programme. Was sie anbietet, sind zeitlose geistige Werkzeuge: Arbeit am eigenen Charakter, Achtung vor dem Mitmenschen, Streben nach Wahrheit, Freiheit des Denkens und Verantwortung im Handeln. Diese Werkzeuge müssen immer wieder neu auf die Probleme der jeweiligen Zeit angewandt werden — durch die freie, individuelle Persönlichkeit.
Dem chinesischen Philosophen Laotse wird der Gedanke zugeschrieben: „Würden die Menschen danach streben, sich selber zu vervollkommnen, statt die ganze Welt zu erretten, selbst innerlich frei zu werden, statt die ganze Menschheit befreien zu wollen, wie viel würden sie zur wahren Befreiung der ganzen Menschheit beitragen.“ Freimaurerisch lässt sich dieser Gedanke kaum treffender ausdrücken. Denn die Veränderung der Welt beginnt nicht mit großen Parolen, sondern mit der stillen, beharrlichen Arbeit am eigenen Selbst. Wer an sich arbeitet, arbeitet mittelbar auch an der Gesellschaft. Wer innerlich freier wird, begegnet anderen freier. Wer sich selbst prüft, urteilt vorsichtiger über andere.
Der Geist der freimaurerischen Idee verbindet genau dies: die Arbeit am einzelnen Menschen mit der Verantwortung für die Gemeinschaft. Der Mensch steht im Mittelpunkt — nicht als isoliertes Wesen, sondern als Teil eines größeren Ganzen. Er besitzt Rechte und Freiheiten, aber ebenso Pflichten. Er ist frei, aber nicht folgenlos. Sein Denken und Handeln wirken in die Welt hinein. Nach dem Prinzip von Aktion und Reaktion beeinflusst jeder Mensch seine Umgebung — durch Worte, Entscheidungen, Gesten und Haltungen.
Darum ist die Freimaurerei mehr als ein Club gleichgesinnter Herren, die sich in gediegenen Räumen treffen und über die Welt philosophieren. Sie ist ein Wertesystem, eine innere Bewegung, ein Weg der Erkenntnis. Sie fordert nicht bloß Meinung, sondern Haltung. Nicht bloß Rede, sondern Handlung. Nicht bloß Erkenntnis, sondern Umsetzung im Leben. Ihre Symbole, Rituale und Ideale zielen letztlich auf eine Frage: Wie kann der Mensch besser werden — nicht im Sinne moralischer Überlegenheit, sondern im Sinne größerer Klarheit, Menschlichkeit und Verantwortung?
Ein zentrales Lehrstück der Freimaurerei ist die Gleichwertigkeit der Brüder untereinander. Diese Egalität ist jedoch kein geschlossener Gedanke, der nur innerhalb der Loge Bedeutung hätte. Vielmehr verweist sie auf eine Haltung, die jedem Menschen entgegengebracht werden sollte: Anerkennung, Würde und Wertschätzung. Der andere ist nicht weniger Mensch, weil er anders denkt, anders lebt oder anders spricht. Diese Einsicht ist einfach zu formulieren, aber schwer zu leben — besonders dann, wenn Konflikte entstehen, wenn der Ton rauer wird und der Sturm bereits aufzieht.
Gerade deshalb bleibt sie eine lebenslange Aufgabe. Für Freimaurer, aber nicht nur für sie. Demokratie und Freimaurerei begegnen sich in diesem Anspruch: Beide setzen auf den mündigen Menschen. Beide verlangen Freiheit, Verantwortung und die Fähigkeit, den anderen in seiner Würde bestehen zu lassen. Beide wissen, dass eine bessere Gesellschaft nicht allein durch äußere Ordnung entsteht, sondern durch innere Arbeit.
Demokratie ist anstrengend. Freimaurerei ist es auch. Aber vielleicht liegt gerade darin ihr Wert. Denn alles, was den Menschen wirklich bildet, fordert ihn heraus. Und alles, was Freiheit bewahren soll, braucht Menschen, die bereit sind, an sich selbst zu arbeiten — geduldig, aufrichtig und mit offenem Blick für den anderen.

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